Tages-Archive: 21. August 2009

Die Koscher-Diät

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Diese Meldung hat mich in meinen Grundfesten erschüttert:

Das Girl vom Ipanema wird immer fetter!

Und ich dachte, an Rio’s Gestaden tanzt man den ganzen Tag Samba und Lambada, schlürft exotische Drinks aus noch exotischeren Früchten. Derweilen passen die brasilianischen Girls kaum noch in ihre sexy Bikinis, parallel kämpfen auch die Männer mit übermäßigen Hüftgold.

Sogar in den Favelas von Rio de Janeiro ist nicht mehr Unterernährung der größte Feind, sondern ein erhöhter BMI (wenn man von der Kriminalität mal absieht). Fast Food machts möglich, fette Fleischklöpse, Pommes und Milchshakes gibt es an jeder besseren Ecke zu geringem Preis und lassen einem das Kochen verlernen.

Den gemeinen Landarbeiter fernab der Metropolen Moloch juckt das wenig. Der arbeitet hart und isst karg. Seine Softdrinks holt er sich aus der örtlichen Quelle, manchmal wirken auch diese unfreiwillig entschlackend.

Anders als der urbane Mensch, dem sich an jeder Ecke Nahrung zu billigem Preis bietet.

Als Alternative zur vorzeitigen Verfettung haben die Brasilianer nun die koschere Küche für sich entdeckt. Restaurants, die nach den traditionellen jüdischen Gesetzen kochen, erhalten einen ungeahnten Zulauf.

Aber ich frage mich, warum gerade koscheres Essen schlank machen soll?

Koscher zu kochen ist umständlicher, als wenn man normal, aber “richtig” (keine Fertigpizza) kocht. Zum Beispiel dürfen Fleischprodukte nicht neben Milchprodukten liegen, dass bedeutet, dass man 2 Kühlschränke, verschiedene Behälter, Töpfe, Kochutensilien und Geschirr für diese unterschiedlichen Nahrungsgruppen braucht. Das hört sich ein bisschen nach Trennkost an, ist aber anders gemeint.

Fleisch darf nur verwendet werden, wenn es traditionell geschlachtet worden ist und von einem paarhufigen und wiederkäuenden Tier stammt. Das schließt Schweinefleisch als der Megalieferant von gesättigten Fettsäuren genauso aus, wie Fleisch von Bären, Eichhörnchen oder Katzen.

Obst, Gemüse und Getreide darf gegessen werden, solange es insektenfrei ist.

Diese ganzen Vorschriften sind selbstredend sinnvoll, aber noch lange nicht der Garant für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Die Kocherei hält einen vielleicht länger beschäftigt, als die Fahrt zum Drive-In beim großen “M”, ist aber als Ausgleichssport ungeeignet.

Möglicherweise bieten jüdische Lokale auch qualitativ gutes Essen zu einem guten Preis an.

Aber was den Wohlstandsbrasilianer an der koscheren Küche noch faszinieren könnte ist mutmaßlich die Tatsache, dass überhaupt richtig gekocht wird und nicht schnell in der Fritteuse oder Mikrowelle gegart.

Insofern darf er sich dann zu einer ganz ungeahnten Bewusstseinserweiterung gratulieren.

Aber Konsum bleibt Konsum, den wahren Sinn der Nahrung (der auch in der Thora aufgegriffen wird) erfasst dies nicht.

 

Foto: Koscher Paprika

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