Schlauspruch KW49
Seelische Tiefdruckgebiete sind Teil des Geschäftsmodells”
Hannes Hintermeier in den genialen Herzblattgeschichten der FAZ.NET über die momentane und flächendeckende Berichterstattung über die Gemütsverfassung verschiedener Prominente.
Tanz auf dem Vulkan
Am Sonntag vor einer Woche war ich auf dem Teide.
Der Teide ist mit 3718 Metern nicht nur der höchste Berg Teneriffas und Spaniens, sondern auch der dritthöchste Inselvulkan der Erde. Zum Vergleich: die Zugspitze kann nur läppische 2962 Meter aufweisen und ist zudem kein Vulkan; allerdings verfügt auch der Teide seit seinem letzten Ausbruch im Jahr 1798 über keine nennswerte Ausbruchsaktivität.
Wenn man den Teide besteigen will, kann man mit einer Seilbahn (das Schild von einer Firma für Seilbahntechnik aus der Schweiz gab mir Vertrauen) von 2.356 auf 3.555 Meter fahren. Für die restlichen 163 Meter benötigt man Bergschuhe und eine Erlaubnis. Letztere hat man sich ein paar Tage vorher mit Hilfe der Frau Becker (Navigation) bei einer netten jungen Frau im Büro des Nationalparks Teide in der Hauptstadt Santa Cruz geholt. Dieses Papier muss man dringend mitnehmen und den dortigen Mitarbeitern des Alpenvereins (oder wie immer dies auf spanisch heißt) abgeben. Die sitzen gekleidet in der Nationaltracht bestehend aus einer knallroten Jack-Wolfskin-Survivaljacke und Sonnenbrille am Beginn des Aufstiegs herum und sagen einem, dass man genau 1 Stunde und 30 Minuten für Auf- und Abstieg, inklusive Rast auf dem Gipfel (Krater bitte nicht betreten) hätte.
In meiner Sturm- und Drangzeit habe ich etliche Zeit auf den Bergen des Bayerischen Inntals verbracht. Ich bin vielleicht nicht der beste Bergwanderer, schon gar kein Kletterer, meine Erfahrung liegt auch schon etliche Jahre zurück. Aber ich mag dieses Glücksgefühl, wenn man der ganzen blöden Plackerei endlich oben auf einem Gipfel steht.
Dort ist die Luft klarer und kühler.
Auf 3.700 Metern ist sie oft gar nicht richtig vorhanden. Deswegen braucht man für diese lächerlichen 163 Meter ziemlich lange. Denn man muss mit Schwindel, Kopfweh, Übelkeit fertigwerden. Auf der windigen Höh’ überfällt einem dann eine gewisse Euphorie, weil man das alles geschafft hat. Vielleicht waren das aber auch die Schwefeldämpfe, die dort oben aus dem Krater wehen – wer weiß?
Im übrigen gibt es auf dem Pico del Teide kein Gipfelkreuz, kein Edelweiß und keine Jausenstation.
Dennoch lohnt sich der Weg in die Emilio Calzadilla Nummero 5 (4. Etage), um sich dort die (kostenlose) Erlaubnis zu holen.
Schönen Gruß an die nette Signora!
Foto: Krater auf dem Teide
Zum 1. Advent
Heute gibt es mal was Klassisches von Loriot
Mächtig
Kaum bin ich den südlichen Urlaubsgestaden entronnen, habe ich schon wieder schlechte Laune.
Schuld daran ist der kleine Giftgollum aus der hessischen Staatskanzlei, Roland Koch.
Dieser blickte wohl schon länger missgünstig von seinem Wiesbadener Bürofenster über den Main auf den Lerchenberg und dachte sich: “Scheiß Pressefreiheit!”
Nun hat er es geschafft, in einem minder genialen Coup den dort dem Sender ZDF vorsitzenden Nikolaus Brender hinaus zu jagen. Ein streitbarer und ehrbarer Journalist, der den Mächtigen des Landes schon länger ein Dorn im Auge war.
Dabei ist Brender nicht unbedingt ein Revolutionär, vielleicht eher jemand, der seine Meinung sagt. Aber nach dem Bauernopfer des hessischen Politiker Jung muss dieser Schachzug dem hessischen Schlappemaul ganz gut gepasst haben.
Das ZDF war schon immer ein eher konservativer Sender, konform mit den Meinungen der Wertkonservativen, Mächtigen und denen, die sich dafür halten.
Das aber eine solche Einflussnahme durch die Politik in die Pressefreiheit möglich ist, ist schon allerhand.
Bei der Bambiverleihung rührte ein geriatrischer Ex-Kanzler das Volk zu Tränen.
Dennoch meine ich, dass die unendliche lange Kohlherrschaft unserem Land eher geschadet hat.
Foto: Wächter vor einer Bar in Teguise, Lanzarote
Viel zu lesen
“Ja, das Schreiben und das Lesen, ist nie mein Fach gewesen … ” lässt Johann Strauss den Schweinezüchter Kolman Zsupan in der Operette “Der Zigeunerbaron” behaupten.
Allerdings ist dieses Urviech vom Balkan kein Minister oder gar Verteidigungsminister, er war ja nach eigenen Aussagen schon immer Schweinezüchter. Er war auch nie ein Dichter, nein poetisch war er nie, aber das wollen wir ja gar nicht verlangen, nicht mal von dem früheren Verteidigungsminister und jetzigem Minister für Arbeit und Soziales Franz Josef Jung.
Vielleicht gehört er ja auch zu den ca. 8 Millionen Analphabeten in Deutschland, dass würden wir ihm sogar fast ein bisschen verzeihen, ist er doch mit der hessischen Mundart an der Wiege besungen worden.
Nur: Wie wird man Jurist, wenn man nicht lesen kann? Denn Lesen und Auswendiglernen ist bei diesem Studiengang das A und O.
Franz Josef Jung ist kein Schweinzüchter, sondern Jurist und Mitglied des Bundestages, er ist kein Analphabet, liest aber seine Berichte, Dossiers oder Aktennotizen nicht. Dennoch kann man mit diesen Eigenschaften oder Nicht-Eigenschaften an der Regierung eines Landes, wie die Bundesrepublik Deutschland mitwirken.
Vielleicht hat er den ganzen blöden Schreibkram, den ihm seine Mitarbeiter auf den Tisch knallen gelesen, aber nicht verstanden.
Da bräuchte es natürlich einen qualifizierten Assistenten, der ihm das trockene Militärdeutsch übersetzt, so in etwas: “Viel Bumm Bumm am Kundus machen viel Aua Aua bei Mamas und Papas!”
Das hätte er womöglich kapiert.
Oder auch nicht.
Foto: Werbung im Frankfurter Flughafen
Eine Woche Teneriffa
Eine Woche Teneriffa bedeutet warme Sonne, Meeresrauschen und ein gepflegter Espresso in irgendeiner Bar auf irgendeiner Calle.
Das bedeutet auch eine Besteigung des Teide und Akklimatisierung in gut 3715 Meter Höhe.
Eine Woche Teneriffa ist eine Woche Urlaub auf der Insel der Glückseeligen im immerwährenden Frühling.
Ein Leben in einem Paradies mit wild wuchernden Strelizien, Palmen und Weihnachtssternen.
Eine Woche Teneriffa bedeutet Heimkommen, Wäsche waschen, den Haushalt wieder auf Vordermann bringen, Kundenanfragen beantworten und über 500 Fotos bearbeiten.
Eine Woche Teneriffa…
Am Liebsten wäre ich jetzt dort.
Foto: Blick auf den Teide














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