3096 Tage
Natascha Kampusch
Am hellichten Tag mitten in Wien wird die zehnjährige Schülerin Natascha Kampusch in einen Lieferwagen gezerrt und entführt.
Der Täter Wolfgang Priklopil, ein schmalbrüstiger, bleicher, psychopathischer junger Mann will sich mit ihr eine Sklavin heranzüchten, an der er seine Großmachtsphantasien ausleben kann.
Aber trotz Folter, Hunger und Schläge, die sie während der nächsten 8 Jahre in einem unterirdischen Verließ erleben muss, will es ihm nicht gelingen.
Denn dieses Mädchen ist stark.
Stärker als er selbst.
Im August 2006 gelingt Natascha spektakulär die Flucht, der Täter entzieht sich seiner Verhaftung durch Selbstmord.
Über diese 3096 Tage hat Natascha nun ein Buch geschrieben.
Ist es Voyeurismus, dies zu lesen?
Vielleicht ein bisschen.
Spätestens seit ihrem 1. Fernsehinterview kurze Zeit nach ihrer Selbstbefreiung ist man an dieser jungen Frau und ihrem Schicksal interessiert.
Man fragt sich, wie ein kleines Mädchen eine solche Isolationshaft aushält. Man will wissen, wie sie ihre Zeit verbracht hat, wie ihr Verhältnis zum Täter gewesen sein mag und natürlich fragt man sich, nach dem Warum, nach den Beweggründen dieses seltsamen Mannes, eine solche unglaubliche Tat zu planen und zu begehen.
Aber was mich beim Lesen dieses Buches am meisten beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass ihr Martyrium noch nicht beendet ist.
Denn die Öffentlichkeit – also wir alle – hat ihre eigenen Mechanismen, um ein Übermaß an gesehenem Leid zu verarbeiten.
Und so schreibt sie in voller Härte:
“Die Gesellschaft braucht solche Täter wie Wolfgang Priklopil, um dem Bösen, das in ihr wohnt, ein Gesicht zu geben … “
Der Täter, also ein personifiziertes Böses, lebt nicht mehr. Und so musste sie sich selbst immer wieder mit bestimmten Anfeindungen und Misstrauen auseinander setzen.
Was ich noch aus dem Buch gelernt habe ist die Tatsache, dass man die Komplexität einer solchen Opfer-Täter-Beziehung nicht lapidar mit dem Begriff “Stockholm-Syndrom” umschreiben kann.
Frau Kampusch ist eine Kämpferin.
Wollen wir hoffen, dass sie sich ihren Schneid niemals abkaufen lassen wird.
Apropos: Dieses Buch gibt es auch bei Libri (links der Link) oder bei Amazon:
Natascha Kampusch – 3096 Tage










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