Leben oder gelebt werden
Walter Kohl rechnet ab
Walter Kohl, Jahrgang 63 ist der älteste Sohn von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und beschäftigt sich hier öffentlich mit der innerlichen Ablösung von seinem Übervater. (Und ein bisschen mit einer ungesunden Mutter-Sohn-Beziehung, aber das ist ihm vielleicht noch gar nicht bewusst)
Sein Vater, ein Machtmensch, der wie kaum eine Zweiter das politische Deutschland in 2 verfeindete Lager gespalten hat. Die Meinungen über ihn weisen ein Spektrum von Bezeichnungen wie “Großer Staatsmann” über “Der Dicke” bis hin dem respektlosen “Birne” auf.
Es ist schon interessant, die Ereignisse der letzten 40 Jahre in Deutschland aus der Warte des Sohnes zu sehen.
Die Terrorismusgefahr im heißen Herbst 1977 hat er natürlich in dem zum Sicherheitsbunker umgebauten Oggersheimer Kanzlerbungalow anders erleben müssen, als Gleichaltrige.
Auch die Aussage, dass für ihn im Falle einer Entführung maximal 5 Mio. Lösegeld bezahlt werden würden, ist für einen 13jährigen ein nicht zu lösendes Rechenexempel
Aber es geht ihm nicht um Zeitgeschichte, auch ist sein Ansatz nicht literarischer, sondern therapeutischer Art.
Und so lamentiert er gerne seitenlang über alle mögliche Schmach, die ihm als “Sohn vom Kohl” angetan wurde, über seine selbst gewählte Opferrolle und über die Bedeutung von Versöhnung im kleinen, wie im großen, universellen Ganzen.
Und solche Luxusprobleme ermüden ungemein.
Denn er trägt dem Umstand, dass er gerade durch seine Eltern zum dem werden konnte, der er heute ist, wenig Rechnung.
Auch wäre die Finanzierung eines Harvard-Studiums dem Sohn vom Huber Franz oder Meier Sepp nicht gelungen, selbst dann, wenn ihre Väter in ihren Rollen versagt hätten oder wenn man sie in der Schule gemoppt hätte.
Andererseits kann ich den Frust von Walter Kohl, der ein durchaus sensibler Mann zu sein scheint, in seinem spießbürgerlichen Elterngefängnis gut verstehen. Trotzdem meine ich, dass er diesem Werk die Chance verwehrt hat, ein interessantes Buch zu werden.
Und befreit hat er sich noch lange nicht.
Aber: Wäre Helmut Kohl mein Vater gewesen, hätte ich mir auch Depressionen wachsen lassen!
Leben oder gelebt werden: Schritte auf dem Weg zur Versöhnung
(Übrigens gäbe es dieses Buch auch als Hörbuch, gesprochen von Walter Kohl persönlich. Ich habe auf der Amazon-Seite kurz reingehört – naja … )










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