Der italienische Geliebte
Von Judith Lennox
Die Schwestern Tessa und Freddie wachsen vor Beginn des 2. Weltkrieges im malerischen Italien auf. Die ältere Tessa erlebt dort ihre erste Liebe zu dem Italiener Guido, aber nachdem die beiden Mädchen zurück nach Großbritannien müssen, ist es damit vorbei.
Tessa beginnt eine Karriere als Mannequin und Fotomodell und stürzt sich in eine Affäre mit dem bekannten Schriftsteller Milo. Dessen Ehefrau Rebecca passt das natürlich gar nicht und in ihrer Verletzung rächt sie sich an ihrem Ehemann und seiner Geliebten.
Derweilen geht die patente Freddie ganz andere Wege, muss sich aber auch durch viel Leid zur Herrlichkeit kämpfen.
Dies ist die Geschichte dreier Frauenschicksale, deren Lebenslinien sich immer wieder nur kurz tangerieren, obwohl so doch sehr eng miteinander verschlungen sind.
Ich hielt die Lebensumstände für Frauen in den 40er und 50er Jahren für etwas komplizierer und unkomfortabeler als hier geschildert, waren sie doch an strengere gesellschaftliche Normen gebunden.
Aber in dieser Erzählung scheint niemand an alleinstehenden, geschiedenen oder gar alleinstehenden Müttern irgendeinen Anstoß zu nehmen. Auch die Kommunikation (wir erinnern uns: in den 40ern waren Handy und Internet noch nicht erfunden) und das Reisen quer durch Europa scheint kein Problem gewesen zu sein.
Aber vielleicht weiß da die Autorin Judith Lennox mehr als ich?
Die Geschichte der einzelnen Frauen könnte interessant sein, ich empfand aber alles als zu ziemlich schal und vorhersehbar erzählt. Auffällig ist für mich immer, wenn Autoren schwierige Situationen durch Unfälle oder plötzliche Todesfälle (oft verbunden mit einer veritablen Erbschaft) klären wollen, was hier gerne geschieht.
Außerdem halte ich den Titel als irreführend. Der Latinlover Guido bekommt zwar noch mal einen kurzen Auftritt verpasst. Seine Liebe zu Tessa leidet aber an ewigem Unerfülltsein. Das ist für mich kein roter Faden und eines Titels nicht wert.
Überhaupt scheint man eine einigermaßen glückliche Liebe erst im reifen Alter zu finden.
Männer im heiratsfähigen Alter bekommen hier oft eher die Rolle von Versagern zugeteilt.
Ich meine, falls es den Tatsachen entspricht, dass Frauen das stärkere Geschlecht sind, muss man dies nicht ständig an die große Glocke hängen, oder?
Juiane Köhler liest vielleicht nicht immer ganz gekonnt, aber sehr sanft und wohlerzogen.
Alles in allem halte ich dieses Werk für eine üble Liebesschmonzette, die auch ganz gut innerhalb einer Reihe von Julia-Romanen gepasst hätte.
Vielleicht schreibt aber auch die Rosamunde Pilcher unter diesem Pseudonym.
Als Strandlektüre ist es allemal geeignet.
Wenn ihr mir das nicht glauben wollt, dann versucht wenigstens ein preiswertes, gebrauchtes Exemplar zu ergattern: Der italienische Geliebte










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