Kickboxen mit Lu

Von Roman Marchel

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Mit der Begründung, ein Kickboxing-Trainingslager zu besuchen, nimmt sich die 16jährige Lu eine Auszeit und strandet in der Pension „Zur schönen Gegenwart“ in einer Kleinstadt im Nirgendwo.
Dort lernt sie die alternde Schriftstellerin Tulpe Valentin kennen.
Die beiden Frauen treffen sich jeden Morgen im Pfauengarten der Pension, Lu erzählt von ihren Gedanken, von ihrem Leben, denn Tulpe Valentin möchte aus diesem Material ihr allerletztes Buch schreiben.

Der Grazer Schriftsteller Roman Marchel hat mit „Kickboxen mit Lu“ einen recht mutigen Debutroman verfasst.
Mutig, weil die Hantierung mit dem Monolog von Lu ein gewagtes Unternehmen ist und dem Lesepublikum einiges abverlangt.
Dafür gibt er die Jugendsprache des Mädchens, das er ohne Punkt und Komma, geschweige denn in Anführungszeichen reden lässt, in seiner liebenswerten Frische und Energie wieder, wie sie jungen Menschen eigen sein kann, ebenso wie das Staunen, die Kompromisslosigkeit und das Moralitätsempfinden in diesem Alter.

… Über manche Dinge rede ich nicht, keine Chance, Sex, Gott, Träume. Wenn du auf so was aus bist, sags gleich, dann sparen wir uns das …“

Und während Marchel es aus Lu nur so hinaussprudeln lässt, steht die Geschichte der alten Frau Tulpe Valentin anfänglich im Hintergrund. Erst nach der Hälfte des Buches lässt er auch sie erzählen, in wohl formulierten und vollständigen Sätzen und sehr viel Bitterkeit, ganz im Gegensatz zu dem Sprachstil des Mädchens.

Wir haben hier 2 Frauen, eine am Anfang ihres Lebens, die andere deutlich am Ende.
So unterschiedlich sie durch ihr Alter auch sind, so haben sie einige Gemeinsamkeiten, wie das Sehnen nach Glück, Trauer um erlebte Verluste. Und in ihrem Enthusiasmus über die Unbändigkeit des Lebens hält Lu ihrer Zuhörerin (und auch dem Leser) oftmals einen Spiegel vor.
Erst zum Schluss muss das junge Mädchen erkennen, dass zum Leben auch Verantwortungsgefühl und Struktur gehört, denn Tulpe trifft eine Entscheidung.
Sie entlässt das Mädchen wieder in ihre Familie, um selbst den letzten Weg zu gehen.

Ich persönlich habe einige Zeit gebraucht, mich mit den beiden Protagonistinnen anzufreunden, die wortwörtliche Rede von Lu hat es mir dabei nicht leichter gemacht.

Trotz einiger Längen ist dies ein interessantes Buch in einem außergewöhnlichen Stil, das einen nicht ganz kalt lässt und das nicht so einfach „en passant“ gelesen sein will.
Um es als wertvolle Literatur zu bezeichnen, fehlt diesem Werk eine kleine Kleinigkeit, dennoch handelt es sich um ein beachtenswertes Debut des österreichischen Schriftstellers.

Das Buch ist im Residenz Verlag erschienen, verfügt über 222 Seiten und kostet 19,90 €.
Bestellen könnt ihr das Buch direkt beim Verlag unter www.residenzverlag.at

Diese Rezension wurde geschrieben im Auftrag von BlogDeinBuch

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