Ehrlich: Zu Beginn des Buches war ich ein wenig gelangweilt.
Unschuldige Kronzeugen werden hier von einem skrupellosen Auftragskiller bedroht, aber ein technisch hoch versiertes Ermittlerteam rettet quasi die Welt … gähn! …
Dann aber, nachdem ich etwas in die Story des US-amerikanischen Erfolgsautors Jeffery Deaver eingestiegen war, packte mich dieser bis zur letzten Seite mitreißende Thriller.
Es ist nun wirklich nicht so, dass diese Geschichte außergewöhnlich neu oder besonders ist, sie verzichtet sogar in einzelnen Szenen auf jeglichen Bezug zur Realität.
Denn wo gibt es sowas sonst noch: ein gelähmter Ex-Polizist (Lincoln Rhyme), der jeden Sandkorn mit Namen kennt und nicht nur über die modernste forensische Technikausstattung gebietet, sondern auch über medizinische Hilfsgeräte verfügt, die einem Stephen Hawking die Neidtränen in die Augen treiben würde.
Dann haben wir eine bildhübsches Ex-Model (Amanda Sachs), die nun eine knallharte Polizistin geworden ist und dann noch eine Staatsanwaltschaft, die auf wichtige Zeugen nicht aufpassen kann.
Außerdem werden sämtliche Ermittlungen wunderbar über den kleinen Dienstweg abgewickelt – manchmal bringt man sogar Leichen zur Begutachtung in das Haus des Ermittlers!
Und innnerhalb von 45 Stunden wird mehr erledigt und im legendär zähen Verkehr von New York herumgefahren, als normalerweise in einer ganzen Woche!
Dennoch hat der Autor die Gabe, den Spannungsbogen immer im richtigen Moment ansteigen zu lassen. Er führt den Leser an der Nase rum, aber er strapaziert dessen Geduld nie zu sehr und hebt sich den Überraschungstrumph bis zum Schluss auf. Man hofft und arbeitet die ganze Zeit mit den Ermittlern, mit den Opfern und manchmal auch mit dem Täter, ist fasziniert von dem profunden Wissen über Forensik und Waffentechnik (ich wäre theoretisch nun in der Lage, eine klitzekleine Bombe zu basteln) und von all den Möglichkeiten, die sich plötzlich auftun.
Zudem ist die Geschichte zugegeben brutal und gruselig, aber der Autor verliert sich niemals in nicht enden wollende Blutrausch-Szenen. Er bleibt fast sachlich, auch im Angesicht eines Mordes.
Und so starrt man gebannt auf die Puzzleteilchen, die letztendlich ein Bild ergeben, auch wenn es sich hierbei um ein kitschig coloriertes Alpenpanaroma handeln mag – es ist ja der Weg gewesen, der so spannend gewesen ist!
Fast alles, was man in der Literatur so findet ist unrealistisch, angefangen bei Goethes Faust bis hin zum banalen Krimi oder schnulzigen Liebesgeschichte und ein Thriller ist nie ein Sachbuch über Polizeiarbeit.
Aber hier gibt es natürlich Abstufungen, z.B. Unterschiede in der Qualität der Sprache oder mit welchen Mitteln der Autor die Geschichte letztendlich ablaufen lässt.
Und dies ist Jeffrey Deaver mit ‘Letzter Tanz’ hervorragend gelungen und ich kann jedem dieses Buch nur empfehlen.
Das Buch ist im Original 1998 erschienen, die deutsche Fassung gibt es seit 2000 im Goldmann Verlag.
Die Taschenbuchausgabe hat 450 Seiten und kostet 9,90 €, gebraucht bekommt ihr sie bei Amazon bereits für 0,98 €.
Nachtrag: Ich habe dieses Buch beim Buchwichteln geschenkt bekommen, vielleicht aber auch bei dieser Aktion gewonnen (hatte irgendwann den Überblick verloren) und bedanke mich hiermit ganz lieb an den edlen Spender!














