Offener Brief an Beatrix von Storch, AfD Politikerin

beatrix von storch
Das muss jetzt mal gesagt werden

Hallo Frau Beatrix von Storch,

eigentlich hätte ich auf diesem Blog schon längst meine Meinung zur AfD kundtun sollen. Aber bislang erschien mir alles, was man von dieser Partei nebst ihrer Gallionsfiguren – zu denen ich auch Sie zähle – dermaßen dreist, dass mir schlichtweg die Worte gefehlt haben.
Dass ich nun dennoch meine Stimme erhebe, liegt an ihrer per Twitter gesendeten, scheinbaren Annäherung an Sophie Scholl:

Wer war Sophie Scholl?

Ich weiß ja nicht, ob Sie es wissen. Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg geboren und gehörte mit ihrem Bruder Hans zum Kern der Weißen Rose, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Sie wurde 1943 von der Gestapo gefangen genommen und zum Tode verurteilt.
Ihr Werk gilt als Vorbild für jedweden Kampf gegen Ungerechtigkeit und für Demokratie.

Gut, dasselbige schreibt ihr von der AfD ja auch auf eure Fahnen. Und deswegen haben Sie es sich ja auch nicht nehmen zu lassen, folgendes zu twittern:

Es stört mich, wenn Sie Sophie Scholl zitieren!

Natürlich dürfen Sie per Se alles zitieren, was Sie wollen, Frau von Storch. Das gehört nämlich in einer Demokratie dazu, genauso wie Ihre Partei dazu gehört.

Mich stört es aber trotzdem, weil Sie Sophie Scholl (und damit letztendlich auch alle Mitglieder der Weißen Rose) für Ihre Zwecke missbrauchen.
Die Geschwister Scholl waren Widerstandskämpfer, die sich von Anfang an der Gefahr, in die sie sich mit ihrem Tun begeben haben, bewusst waren und die für ihre Ideale mit dem Leben bezahlen mussten.

Es ist ja nicht so, dass Sie mit Ihrer rechtspopulistischen Partei, der AfD aus dem Untergrund agieren müssen. Sie können öffentliche Reden halten, gegen die Bundeskanzlerin polemisieren, können alle Medien nutzen und werden sogar von Talkshows hofiert. Und letzteres, obwohl Sie die Entrichtung des Rundfunkbeitrages kategorisch ablehnen.
Übrigens (mit einem Wink an Ihren Kollegen Meuthen) ist der Umstand, dass dies so unproblematisch möglich ist, auch ein Ergebnis der Diskussionen, Demonstrationen und Kämpfe eines „links-rot-grün verseuchten 68er-Deutschland“.

Und ich glaube Ihnen auch nicht, dass Sie Sophie Scholl zitieren, weil diese junge Frau ein so großes Vorbild für Sie darstellt.
Sie haben sie deswegen zitiert, weil die Geschwister Scholl in Deutschland sehr beliebt sind und eine ungebrochene Sympathie genießen. Sie würden auch den Kleingartenverein Eppendorf mit Ihren Tweets unterstützen und die Forderungen einer neuapostolischen Sekte aus Greifswald mit in ihr Wahlprogramm aufnehmen, wenn es denn der Sache der AfD dienlich wäre.

Ich weiß, dass man es in Ihren Kreisen nicht gerne hört, wenn die AfD als rechtspopulistisch bezeichnet wird.
Aber ob Ihnen das nun passt oder nicht: Die AfD ist rechts (weil links und grün ja verseucht oder versifft ist) und populistisch ist sie auch noch!

Auch die NSDAP hat einmal als rechtspopulistischer Haufen angefangen, der wegen der von ihr gepflegten Dampfplauderei nicht so sehr ernst genommen wurde.

Bei solchen Aussichten fällt mir abschließend nur noch Max Liebermann ein, der 1933 anlässlich eines Fackelzugs zur Machtübernahme von Adolf Hitler einen Ausspruch bemerkte, den ich nun als Tweet zitieren möchte:

Foto: Mein Hochhalteschild ©sabienes.de
Text: Offener Brief an Beatrix von Storch, AfD Politikerin ©sabienes.de

16 Kommentare zu “Offener Brief an Beatrix von Storch, AfD Politikerin

    • @Ludwig: Es ging mir bislang mit denen auch so, ich hätte manchmal Bücher schreiben können. Aber dieser Tweet hat dem Fass den Boden ausgeschlagen – sozusagen.
      LG
      Sabienes

    • @Asmaa: Vielleicht. Tatsächlich war Sophie Scholl anfänglich ein Fan der NSDAP. Erst als diese Partei an die Macht kam und die Repressalien gegenüber Andersdenkende und Juden begannen, hat sie ihre Meinung geändert. Und gerade das macht sie in meinen Augen doppelt glaubwürdig.
      LG
      Sabienes

  1. Hallo Sabine,

    ich habe die Diskussion um diesen Tweet auch mitverfolgt. Natürlich bin ich dabei über ihre anderen Aussagen in Twitter geflogen. Ich war kurzzeitig geneigt, sie zu abonnieren um weiter im Bilde zu bleiben. Ein Follower wollte ich aber auf keinen Fall werden, weshalb ich vor mich hin meckernd die Seite verlassen habe. Danke das du ziemlich genau das beschrieben hast, was ich danach und auch jetzt denke.

    • @Sandra: Genau so habe ich auch gedacht. Andererseits habe ich mich ein bisschen mit der Frau beschäftigt und das ist schlecht für die Gesundheit.
      LG Sabienes

    • @Monika: Wieso Mut? Die werden nicht gerade mit der Gestapo daher kommen.
      Naja. Seit diesem Artikel habe ich vermehrt Hacking-Versuche auf diesem Blog.
      LG Sabienes

  2. Lutz sagt::

    Hallo Sabine,
    danke für den offenen Brief an Beatrix von Storch! Ich hätte es nicht besser schreiben können!
    Nur noch einen Zusatz, den Ich noch erwähnt hätte:
    Der Großvater dieser „Dame“ war bekannterweise Reichsfinanzminister von 1932 bis Mai 1945, der ab 1937 auch Mitglied der NSDAP war. Er diente also genau dem Regime, das für die Ermordung der Geschwister Scholl verantwortlich ist. Wenn sich jetzt die Enkelin eines nach 1945 verurteiltem Naziverbrechers der Worte von Sophie Scholl bedient, ist das mehr als infam. Da fällt mir auch nur das Zitat von Lieberman ein, das Du zu Recht in deinem offenen Brief erwähnst.
    Liebe Grüße und weiter so!
    Lutz

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