Manchmal scheint es mir, als wäre meine Oberweite die einzige Körperregion, die von den Wechseljahren wirklich profitiert.
Eigentlich sollte ich mich freuen.
Foto: Mädchen im Bade auf dem alten Expo-Gelände in Lissabon
Träumereien in Bild und Wort
Manchmal scheint es mir, als wäre meine Oberweite die einzige Körperregion, die von den Wechseljahren wirklich profitiert.
Eigentlich sollte ich mich freuen.
Foto: Mädchen im Bade auf dem alten Expo-Gelände in Lissabon
Also.
Ich bin 50.
Ich bin eine Frau.
Was habe ich mit den meisten Frauen meines Alters in der westlichen Hemisphäre gemeinsam?
Genau. Ich bin in den Wechseljahren.
Wechseljahre sind nichts Ekliges. Man altert auch nicht abrupt. Es hat nichts mit Vorverwesung zu tun.
Es ist eine Zeit, in der der Körper seine Prioritäten ändert.
Irgendwann sagt der Körper: “Mädel, du bist zu alt zum Kinderkriegen. Und wenn dein Partner nicht der jüngere Bruder von Madonna’s Lover Jesus Luz ist, ist es auch für ihn besser, wenn du ihn nicht verspätet zum Papa machst. Ganz abgesehen davon, was das Kind davon halten würde.” und stellt ab nun den Modus um.
Und das nennt sich Wechseljahre oder auf gut Deutsch Klimakterium.
Das ist natürlich anstrengend. Und dies ist mein Problem.
Ich meine nicht nur Hitzewallungen und sonstiges Ungemach, die diese Zeit so mit sich bringt. Ich meine die allgemeine Sprachlosigkeit.
Denn tauschte man sich ab dem Auftretens des ersten pubertären Pickels mit Gott und der Welt über das Wohl und Wehe der praktizierten Weiblichkeit aus, herrscht nun eine Omertà, ein allgemeines Schweigen.
Frauen, die früher selbstbewusst ihren Menstruationskalender in der Küche hängen hatten, schwitzen nun still vor sich hin und schlucken heimlich eine Soja- oder Johanniskrauttablette gegen die schlimmsten Beschwerden.
Es scheint so, dass Literatur zu dem Thema nur unterm Ladentisch verkauft wird – wenn keine Kinder und Jugendliche in der Nähe sind.
Überhaupt Jugendliche!
Das sich die Filmwelt, besonders Hollywood im Jugendwahn befindet, brauche ich hier nicht weiter auszuführen.
Aber ich denke, dass auf internationalen Bildschirmen mehr Personen Sex miteinander gehabt haben, die per Gesetz eigentlich zu jung dafür wären, als solche, die sich über Verhütung keine Gedanken mehr machen brauchen.
Die einzige rühmliche Ausnahme ist der geniale Film: “Was das Herz begehrt”.
Hier bezeichnet sich Jack Nicholson selbst als Glückspilz, nachdem ihn Diane Keaton auf die Frage nach der Verhütung erklärt, das sie sich in der Menopause befindet.
So kann man es nämlich auch mal sehen!
Glückspilze sind wir!
Foto: Botanische Garten in Puerto de la Cruz, Teneriffa
Irgendwann hat mir mal irgendjemand gesagt, dass die Fingernägel die wichtigsten Waffen einer Frau seien. Und um dies zu demonstrieren, sollte man sich diese Knallrot anmalen.
Leider gehört auch das ordnungsgemäße Lackieren von Fingernägeln auch zu den Dingen, zu denen ich einfach zu doof bin.
Also beschränke ich mich seit Jahren darauf, diese rudimentären Zeugen unserer animalischen Wurzeln zu feilen und mit einem Nagelhärter zu behandeln.
Denn leider neigen meine Nägel zum Brechen und Splittern.
Außerdem war ich mir sicher, dass ich als Frau auch noch andere Waffen zur Verfügung hätte.
Seit einiger Zeit, vielleicht durch einen labilen Mineralstoffhaushalt, sind meine Nägel gar nicht mehr schön. Sind sie früher schon gerne mal abgebrochen, so hilft nun nicht mal mehr eine Doppelschicht Nagelhärter gegen den Verdruss.
Kein Mann wird jemals nachempfinden können, was ein solcher Umstand für eine Frau bedeutet!
Und außerdem lege ich auch auf kleine Dinge viel Wert.
Angeregt durch meine Lieblings-Bauingenieurin Gülsym, die laut eigenen Angaben mit ihren bunten Freddy-Krüger-Gedächtnisnägeln sogar einen Umzug samt Renovierung gemeistert hat (ja, ja, wir vom Bau!) begab ich mich nun in ein Nagelstudio meiner Wahl.
Wenn man in einem Nagelstudio sitzt, muss man die Nagelstudiomeisterin gerne mögen. Denn für die 55 Euro, die der Spaß kostet, sitzt man sich 2 Stunden auf engstem Raum gegenüber und kann sich nicht einmal wie beim Friseur hinter einer Zeitung verstecken.
Heraus kam ich nun mit 10 wunderbaren Schönheiten an meinen Fingerspitzen. Nicht zu lang, dezent und fast natürlich im French-Manikure-Stil bepinselt.
Und muss nun neu lernen, diese meine Waffen neu zu gebrauchen.
Foto: Römerfest in Obernburg 2009
Kurioses, Seltsames, Lustiges, Blödes, Banales, Interessantes, Nettes, manchmal auch Gemeines und noch allerhand anderes, was mir auf meinen täglichen Fotosafari-Streifzügen durch das Traumland, dass wir 'Leben' nennen ins Bild flattert.
Dazu garniert mit einigen anderen Träumereien, die ich lese, als Video-Clip oder Kinofilm anschaue oder mir auf andere Weise zu Ohren und zu Augen kommen.