Das Herdfeuer, der Weg
Von Eva Finkenstädt
Die Müllerstochter Bertha vom Grün lebt im 13. Jahrhundert in Marburg auf der Grünmühle.
Da ihr Vater keine Söhne hat, darf sie gemeinsam mit ihrem Vetter das Müllerhandwerk erlernen, um später die Mühle zu übernehmen.
Derweilen wird die Landgräfin Elisabeth von Thüringen heilig gesprochen und die Herzogin Sophie von Brabant kämpft um das Erbe ihres Sohnes und auch sonst haben die Marburger alle Hände voll zu tun, um nicht zwischen die Fronten von politischen Interessen zu geraten.
In all den größeren und kleineren Wirren haben aber die Müllersleute ihr Einkommen, es wird geliebt, gestritten, geheiratet und Kinder kommen zur Welt.
Aber der in der Nähe residierende Deutsche Ritterorden will das Mühlenwesen rationalisieren und erhebt Anspruch auf die Grünmühle.
Um Bertha aus dem Weg zu schaffen, wird sie wegen Ketzertum und umstürzlischen Handelns angeklagt und muss zur Buße den Jakobsweg nach Santiago di Compostela pilgern.
Dort, fern von ihrem Herdfeuer erzählt sie einem Padre ihre Geschichte.
Es gibt Bücher, die stürmen alle Charts – und niemand weiß, warum.
Andere Bücher sind wie Perlen – auf dem ersten Blick unscheinbar, aber dennoch wertvoll. Und dies ist ein solches Buch.
Dieser historische Roman wurde lange geschrieben, bevor eine Wanderhure durch das mittelalterliche Land geisterte und ein Hape Kerkeling (dessen berühmtes Buch ich hier aber nicht schlecht machen möchte) den sinnsuchenden Mitteleuropäer in das ferne Galicien auf Wallfahrt geschickt hat.
Die Marburger Autorin Eva Finkenstädt erzählt hier das teils beschauliche, aber auch sehr arbeitssame Leben von Müllersleuten im Spätmittelalter und die Geschichte einer mutigen und außergewöhnlichen Frau.
Ihre Erzählung wirkt “entschleunigt”, denn ihr Erzählstil ist ruhig, getragen, aber immer sehr explizit, besonders die Personenbeschreibungen
Nach einigen Seiten befindet sich der Leser mitten im harten Alltagsleben der damaligen Zeit, nimmt Teil an den einfachen Freuden der Menschen mit ihrer teils zweckgebundenen, teils inbrünstigen Gottesfürchtigkeit und ihrer Treue zu ihren Hohen Herren.
Das geschieht völlig unprätentiös und manchmal unbarmherzig – wie das Leben zu dieser Zeit wohl gewesen sein mag.
Mir ist Eva Finkenstädt persönlich bekannt, wusste aber lange nicht, dass sie ein Buch geschrieben hat.
Ich finde, sie hat dieses Werk, dem eine stattliche Recherchearbeit vorangegangen ist, viel zu lange versteckt gehalten hat. Denn das 1994 erschienene Buch hätte es im Zuge einer nicht abebben wollenden Welle von historischen Romanen längst verdient, bekannter zu werden.
Ihr könnt dieses Buch für 16,00 Euro (gebunden) bei Amazon käuflich erwerben.
Es gibt aber auch eine Hörbuchversion für 7,99 Euro bei Xinxii, die von der Autorin selbst gelesen wurde.
Text: Das Herdfeuer, der Weg ©Sabienes




Ich habe eine Weile gegrübelt, warum der Xinxii-Link nicht geht, obwohl er richtig aussieht…
Da ist ein Leerzeichen am Ende, das zumindest mein Browser nicht mag.
@Eike: Danke für den Hinweis, dass kommt davon, wenn man nicht richtig kopieren kann.
Jetzt sollte es aber funktionieren!
Sabienes
Das ist eine sehr vielversprechende Rezension und du hast mich richtig neugierig gemacht
@Susanne K: Das Buch ist wirklich schön!
LG
Sabienes
Die “Perlen” schaffen es meistens nicht in die Charts, finde ich. Und der Titel “Bestseller” bedeutet noch lange nicht dass ein Buch gut ist, ich bin da eher skeptisch. Dein Tip hört sich gut an, kommt auf die “Habenwollenliste”!
Ich mag solche historischen Romane und wenn sie in der Nähe spielen noch mehr
Sollte ich irgendwann mal wieder mehr zum Lesen kommen, setze ich das Buch auf meine Liste. Im Moment bin ich sehr lesefaul…
@Ela: Die richtige Lesezeit beginnt ja auch erst wieder
Sabienes