Der Rechtsruck in Deutschland macht mir Angst!

rechtsruck
Ich will eine nazifreie Zone – überall!

Früher war es ja ein bisschen modern, politisch Links zu sein und man hat die Rechten gleich erkannt.

Hat jemand die wunderschönen Autobahnen vom Adolf bewundert? – Patsch! Nazi!
Hat ein anderer den Holocaust geleugnet? – Patsch! Böser Nazi!
Hat noch ein anderer über Frauen, Ausländer und „Homos“ gelästert? – Patsch! Auch ein schlimmer Nazi!

Und jetzt stellen sich sogenannte Politiker in aller Öffentlichkeit ans Mikrofon und behaupten genau dies und wir wissen gar nicht, was wir tun sollen.

Rechtsdruck in Deutschland

Fast wünscht man sich ja diese Zeiten zurück, als noch jeder wusste, wo er hingehört. Die jungen Leute waren häufig Links und später dann Grün (jaaaa … ich rede hier von größeren Zeitspannen). Die Älteren waren dann für die SPD, die Blöden wählten FDP und die ewig Gestrigen und die Traditions-Bayern CDU/CSU. Die paar Nazis fand man zwar schrecklich, aber auch wieder lächerlich und die anderen braunen Splitterparteien nicht nennenswert.
Dann kam die Wende und die neuen Mitbürger aus dem Osten wollten mal was anderes erleben und wählten CDU.
Als dann die NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gezogen ist, hat man mit der Schulter gezuckt. „Ja, schrecklich … aber die da drüben … „

Erst nachdem PEGIDA-Anhänger begannen, in den Innenstädten großdeutsche Drecksparolen skandieren, scheint man bundesweit eine Art Rechtsruck zur Kenntnis zu nehmen. Das aber alle Neo-Nationalsozialisten nur eines tun, nämlich der aalglatten AfD in die Hände zu arbeiten, hat man viel zu spät realisiert.

Mir hätte ein Verbot der NPD gefallen

Am 17. Januar ist ein Verbot der NPD vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt worden. Mir hätte es gefallen, wenn die obersten Richter diese braune Soße entgültig aus dem Verkehr gezogen hätten. Und zwar nicht erst Anfang dieser Woche, sondern schon 2003 oder noch früher!
Denn ein Verbot hätte bereits vor Jahren ein Zeichen gesetzt oder: eine Grenze zwischen Gut und Böse gezogen, wenn man so will.

Andererseits finde ich die Urteilsbegründung schon ziemlich klug und zugleich mutig. Diese Partei ist zu klein und unbedeutend, dass man hier größere Maßnahmen ergreifen müsse und außerdem darf jeder denken, was er will, solange er nicht straffällig wird – so ungefähr der Tenor der Richter.

Aber eine solche Begründung ist viel zu kompliziert.

Zu philosophisch.

Das muss man ja nachdenken und so …

Rechts ist die Sprache der Stammtisch-Revoluzzer

Und das ist der Grund, warum nach meiner Meinung jede linke oder soziale oder gerechte Politik (und letztendlich vielleicht sogar die Vernunft) scheitern wird.
Die Linken, Grünen, Sozialdemokraten haben viel zu komplizierte Argumente und verlieren sich in unzählig langen Ausführungen, verheddern sich dazu auch noch in interner Haarspalterei – und so weiter. Mit deren Sprüchen kann man selten beim Stammtisch auf den Tisch hauen und seiner Wutbürgerei mal so richtig Ausdruck verleihen.
Damit erreicht man nicht den kleinen Mann von der Straße und die Metzgereifachverkäuferin, die Angst vor allen möglichen gesellschaftlichen Veränderungen haben. Und wenn sich dann noch die Busenfreunde der Politiker als professionelle Steuerhinterzieher enttarnen, wählen diese Leute nicht mal mehr CDU.

Und dieser Populismus greift immer mehr um sich.

Es sollte auch bei den etablierten Parteien Politiker geben, die die Menschen sprachlich dort abholen, wo sie sich befinden.

Übrigens kann man Trainingskurse belegen, in denen man einen anti-rechten Stammtisch-Sprech lernen kann. Falls es euch interessiert, bekommt ihr hier weitere Informationen.

Rechtsruck in Europa

Rechtes oder gar faschistoides Gedankengut ist keine Erfindung der Deutschen.
Frankreich hat Le Pen, Ungarn schwört sich auf den Orban ein, die Brexit-Befürworter in Großbritannien gehören in diese Kategorie, genauso wie Putin oder Erdogan. Und in Österreich hat man auch lange überlegen müssen, ob man den Vertreter einer rechtspopulistischen Partei zum Bundespräsidenten küren soll.
Die Liste lässt sich europaweit erweitern, aber das ist wirklich sehr demoralisierend.

Und weltweit?

Heute wird Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt und ich kann gar nicht hinschauen.

Habe ich zu viel Angst?

Bild: Ich will eine nazifreie Zone – überall! ©sabienes.de
Text: Der Rechtsruck in Deutschland macht mir Angst! ©sabienes.de

11 Kommentare zu “Der Rechtsruck in Deutschland macht mir Angst!

  1. Alex sagt::

    Hallo Sabiene,

    ich finde dass dein Text genauso aussieht wie meiner Meinung über das Thema Populismus und Rechtler. Als selber schwul, bin nicht mehr sicher was uns den Schwulen die Zukunft bringt. was

  2. Persönlich glaube ich, dass wir gar nicht Angst genug haben können.

    Für die Entwicklung, die darauf abzielt, die EU abzuschaffen und Europa wieder den Nationalisten auszuliefern, gibt es aus meiner Sicht keine überzeugenden Gründe. Im Gegenteil: ich halte das ständige Gemaule all dieser Unzufriedenen und das immer sichtbarer werdende Misstrauen in die Parteien und staatlichen Institutionen für gefährliches Geschwafel. Aber offenbar ist genau das ansteckend. Es gibt viele Medien, die auf diesen Zug aufgesprungen sind.

    Man mag sich gar nicht vorstellen, dass die wirtschaftliche Lage Deutschlands nicht mehr so gut wäre. Was würde wohl dann erst im Land los sein? Angeblich geht es dem Mittelstand in den USA sehr schlecht. Obwohl man ab und an auch anderes darüber liest, dominieren die negativen Bilder. Die Leute sind dort so frustriert, dass sie sich nicht anders zu helfen wussten, als Trump zu wählen. Den Outsider in Sachen Establishment. Wie lächerlich! Hoffentlich irren sich diejenigen unter uns nicht, die Trump erst mal machen lassen wollen und die zu mehr Gelassenheit auffordern. Dieser Mann verhält sich so beschissen und ist intellektuell so ein absoluter Ausfall, dass die Menschen sich angesichts seines Aufstieges zum mächtigsten Mann der Welt eigentlich doch nur die Augen reiben sollten. Stattdessen steigen die Aktienkurse. Was das wohl über unsere Welt sagt?

    Die ersten wichtigen Wahlen sind -glaube ich- in den Niederlanden. Dort könnte Wilders stärkste Kraft werden. Das ist sogar wahrscheinlich. Womöglich schafft es LePen in Frankreich, Präsidentin zu werden. Es ist, wie man hört, zwar nicht sehr wahrscheinlich. Aber wer weiß schon, was da geschehen wird. Sollte es dazu kommen, ist die EU geliefert. Ohne Großbritannien und Frankreich ist es vorbei.

    Die Rechten werden gleichzeitig auch bei uns weiter gestärkt und das WIR und DIE wird noch mehr Raum einnehmen. Die Muslime werden noch schlimmer ausgegrenzt als jetzt und die Flüchtlinge sowieso.

    Und wo sind die Gegenbewegungen der so genannten Etablierten? Was ist aus dem Bratislava-Prozess geworden, der im September letzten Jahres so wohlwollend von den Medien aufgenommen wurde? Was ist mit Reformen innerhalb der EU, die die Menschen von diesem Projekt wieder überzeugen helfen können? Nichts passiert! Gar nichts.

    Die SPD müsste sich mutig positionieren und erklären, dass sie keine Große Koalition mehr eingehen wird. Diese träge und demokratieschädliche Konstellation muss dringend aufhören. Angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse ist das aber nicht zu erwarten. Dann ist das Mindeste, dass die FDP in den Bundestag kommen soll, damit wenigstens drei Parteien die Regierung bilden. Vielleicht bringt das etwas mehr Bewegung in die politische Landschaft. Wir müssen mehr sichtbare Alternativen aufgezeigt bekommen. Außerdem brauchen wir Bürgerbeteiligung, sichtbar und schnell. Dass sich die Abgeordneten immer noch dagegen wehren ist nicht nachvollziehbar.

    Ja, ich habe mehr Angst vor dieser Entwicklung nach Rechts als vor irgendwelchem djihadistischem Terror. Ehrlich.

    • @Horst Schulte: Leider, leider bin ich komplett deiner Meinung und gleichzeitig hoffe ich doch, dass du falsch liegst.
      Ich gebe dir leider auch Recht, was die Parteienlandschaft anbelangt, bzw. die einzelnen Parteienpolitik. Wer hat gesagt, dass es keine Partei rechts von der CDU/CSU geben darf? Strauss? Eigentlich nicht so mein Lieblingspolitiker.
      Und man muss sich zugleich auch immer überlegen, wem solche Auseinandersetzungen nutzen! Nämlich dem Kapital, den eigentlich Herrschenden. Ich sage dabei nicht, dass der Kapitalismus böse ist, aber die Kapitalisten.
      Danke für diesen tollen Kommentar von dir. Bei dem, was ich zu dem Thema auf Google Plus gelesen habe, wäre ich fast vom Glauben abgefallen.
      LG
      Sabienes

  3. Ein Verbot der NPD hätte tatsächlich niemandem geholfen. Schon die Ankündigung eines Verbotsverfahrens hat mal wieder nur dazu geführt, dass sie die wirklich radikalen unter diesen Spinnern in anderen Vereinigungen tummeln, die von unserem Verfassungsschutz noch nicht oder nicht ausreichend überwacht werden. In der Form als Partei sind diese Idioten wesentlich besser zu händeln. Das wird von vielen vergessen, die Laut nach einem Verbot schreien. Der Argumentation des BVerfG kann ich aber auch nicht folgen. Demnach könnte man eine Partei erst dann verbieten, wenn sie Regierungsverantwortung hat. Dann wäre sie aber demokratisch gewählt. Wie kann man sie dann wieder absetzen? Also irgendwie unlogisch. Ich bin allerding in einem Punkt absolut gar nicht auf deiner Seite: ANGST müssen wir absolut nicht haben. Nein, wir dürfen sie nicht haben! Angst ist genau das, was diese Populisten provozieren. Zeigen wir unseren Mitmenschen, wie schön das leben in einem freien und gemeinsamen Europa ist! Berichten wir von unseren Reisen, von den Vorteilen (auch wenn es nur die Tatsache ist, kein Geld mehr tauschen zu müssen). Stürzen wir uns in Diskussion mit unseren Freunden und unserer Familie, auch wenn das unangenehm ist und auch wenn wir uns besonders mit diesen Vertrauten nicht streiten wollen. Angst müssen wir nur davor haben, dass alle „Gutmenschen“ die Klappe halten. LG, Caro von http://www.carosfummeley.de

    • Ganz nach dem Motto „der Feind den man kennt ist besser als der, den man nicht kennt“ … ja, der Gedanke ist mir in Bezug auf das Parteiverbot auch schon gekommen. Auch wenn man die Partei verboten hätte: die Idee besteht und sie sucht sich einen anderen Weg.
      Ich persönlich habe auch Angst. Ich kann das nicht so wirklich abschalten. Aber ich suche das Gespräch. Wenn meine junge Kollegin (25) aus dem münchner Outback mal wieder irgendwelchen Quatsch vom elterlichen Stammtisch mitbringt, den sie irgendwo aufgeschnappt hat, dann versuche ich ihr mal eine andere Sicht der Dinge zu vermitteln.
      LG, Tina

    • @Carolin Prange: Ich gebe dir schon insofern Recht, als dass ein Verbot zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr viel gebracht hätte. Diese Partei hätte man viel früher verbieten sollen, aber damals ist man ja über ein paar V-Leute gestolpert. Nationalsozialismus wird es immer geben, mit oder ohne NPD. Aber mit einem Verbot hätte die BRD einmal eindeutig Position bezogen.
      LG
      Sabienes

  4. Meine Sis hat von einer 17jährigen gehört, dass sie sich beschwert hat, dass sie mit der Schule ein KZ besucht haben. Das wäre ja jetzt echt lange her, hätte nix mit ihr zu tun, so unnötig. Das hat mich schwer schockiert, wenn die Jugend heute so denkt…

  5. Ich finde schon, dass man Angst bekommen kann. Die Entwicklungen sind wirklich sehr unerfreulich. Nur sollte man sich von der Angst nicht lähmen lassen, sondern aktiv dagegen halten. Vornehme Zurückhaltung ist gegenüber den braunen Schreihälsen unangebracht. Ja, du hast Recht. Die Argumentation darf nicht zu intellektuell sein, sonst wird sie von der Mehrheit nicht verstanden.

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