Souvenirs

Von David Foenkinos

 Der junge, namenlose Erzähler wundert sich: Was ist nur mit seiner Familie los?
Kaum ist der geliebte Großvater gestorben, wird die Großmutter schon ins Altersheim gesteckt.

Der frischpensionierte Vater gleitet immer mehr in eine Passivität hinein, während die Mutter durch Russland reist.

Und eigentlich will er ja in seinen stillen Nachtstunden, in denen er an einer Hotelrezeption arbeitet,  sein erstes Buch schreiben. Aber dazu wird er nicht so schnell kommen, denn Großmutter büxt aus dem Altersheim aus …

David Foenkinos verdanken wir ja den liebesperlensüßen Roman „Nathalie küsst“ und hat auch hier wieder seinen Hang zur geschickt platzierten Fußnote und zu scheinbar zusammenhanglosen Einschüben bewiesen.

Aber im Gegensatz zu der Nathalie-Geschichte wird vorliegender Roman in der Ich-Form erzählt und das so diskret, dass man nicht mal zufällig in einer direkten Rede einen Namen erfährt.
Diese scheinbare Anonymisierung des Erzählers finde ich nicht nachvollziehbar und seltsam, außerdem lässt sie den Leser immer wieder und viel zu sehr über mögliche autobiografische Inhalte reüssieren.

Die Geschichte handelt im Grunde von mehreren einsamen Menschen, die dieser Einsamkeit teils entfliehen möchten, teils es nicht schaffen, sich aus ihrem selbstgewählten inneren Gefängnis zu befreien.
Selbst als Er seine große Liebe findet, bleibt Er irgendwie einsam, genauso wie seine Frau.
Einsame Menschen ziehen oft wieder andere einsame Menschen an und machen sich damit manchmal gegenseitig unglücklich. Auch das muss der Erzähler letztendlich lernen.
Was einem aber bleibt, sind die Andenken – die Souvenirs.
Kleine Erinnerungsschnipsel, innere Bilder von Erlebnissen, von Menschen, die man liebt oder bewundert.

Aber der rote Faden dieses Buches ist die Liebe: Die Liebe eines Liebespaares zueinander, aber auch die Liebe zu den Menschen im Besonderen.

Ich fand es schön, wie Foenkinos das Thema ‚Altern‘ aufbereitet und den Umgang mit alten Menschen, die mehr wollen und mehr verdient haben, als einen Strauß Blumen, der ihnen an einem Besuchstag im Altersheim unwillig vorbei gebracht wird.

Die Geschichte selber hat mir nicht so richtig gut gefallen, weil ich sie zu melancholisch fand und durch die Trägheit der Personen manchmal richtig ungeduldig werden ließ.
Auch hätte ich mir natürlich ein zufriedeneres Ende gewünscht.

Was mich aber an dem Buch faszinierte, ist diese wunderschöne und sensible Sprache Foenkinos, die sich immer wieder in einzelne, ganz besondere Sätze steigerte.

Trotzdem konnte ich mich nach dem letzten Satz des Gefühls nicht erwehren, dass irgendetwas fehlt.

Dieses Buch ist im C.H.Beck Verlag erschienen.

Die Taschenbuchausgabe misst 333 Seiten und würde euch hier 17,95 € kosten.

Diese Rezension habe ich geschrieben für Blog Dein Buch

 

Text: Souvenirs – Rezension ©Sabienes

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Sabienes

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