Spurlos im Schnee – ein Thriller von Cordula Hamann

Eine Rezension bei Lawinengefahr
Cover von Spurlos im Schnee

Spurlos im Schnee

Auf dem Weg in den Skiurlaub entkommen die Studentin Katja Reichenberger und Holger mit seinen Zwillingstöchtern Hannah und Leah sehr knapp einer Nassschneelawine. Weniger Glück haben die Insassen des sich auf der gleichen Strecke befindlichen Gefangenentransports, denn nur die Polizistin Claudia Jensen kann gerettet werden. Erst als die Überlebenden in dem kleinen bayerischen Dorf Grahmried Zuflucht gefunden haben, verstärkt sich die Gewissheit, dass auch der Gefangene, der gefürchtete Serienmörder Thomas Bach die Lawine überlebt hat und sich irgendwo in der inzwischen von der Außenwelt abgeschnittenen Ortschaft versteckt.
Am nächsten Morgen wird die grausam malträtierte Leiche einer Frau gefunden – das ganze Dorf befindet sich in Angst und Schrecken. Zumal einige Dorfbewohner ohnedies einiges zu verbergen haben.

Cordula Hamann

Cordula Hamann, Jahrgang 1959 arbeitete nach ihrer juristischen Ausbildung im Immobilienbereich. Seit 2006 widmet sie sich dem Schreiben von Krimis, Thriller und Familiendramen. Sie engagiert sich in dem Verein „42erAutoren“ und ist Mitglied des Autorenkorrektivs Qindie. Spurlos im Schnee ist bereits das 6. Buch der abwechselnd in Berlin und Andalusien lebenden Autorin.

Spurlos im Schnee – meine Meinung

Die Autorin bedient sich in diesem Thriller gleich mehrerer Lieferanten für wunderbare Albträume:

  • Tückische Naturgewalten
  • Überleben in der Abgeschlossenheit ohne Hilfe von außen
  • Die tödliche Gefahr eines flüchtigen Täters
  • Nicht wohlmeinende Einheimische.

Das Thema Lawinen und Lawinenrettung hat Frau Hamann ordentlich bei der Bayerischen Bergwacht recherchiert, bei denen sie sich auch vorab bedankt. Die in solchen Situationen entstehende Gefahr für Reisende und Siedlungen erscheint mir plausibel geschildert. Wie es sich anfühlt, wenn bei solchen Bedingungen auch noch Verbrechen begangen werden, kann man sich nur zu gut ausmalen.
Der Serienmörder Thomas Bach wird auf den ersten Seiten vorgestellt, auch die Notwendigkeit seiner Verlegung wird erklärt. Aber leider erscheint einem seine Figur sehr bald als zu blass und wenig furchteinflößend.
Die sinistren Pläne mancher Dörfler könnten typisch für viele Gemeinschaften sein.
Der verhinderte Bestsellerautor Rupert Geissler ist tatsächlich eine interessante Figur mit recht unredlichen Beweggründen, die ein bisschen besser ausgebaut hätte werden sollen.
Aber die Szene, in der seine Mutter Elfriede seinem jüngeren Bruder Jens (wohl ein typisch bayerischer Name?) en passant erklärt, wer in Wirklichkeit sein Vater ist, erscheint lächerlich. Wir sind hier nicht in Berlin, sondern in einer katholisch-konservativen Gemeinde, da kann man die Mutter nicht verlauten lassen: „Es tut mir leid. Es war nur ein paar Mal, aber dann warst du unterwegs.“
Über die Anna Riedel, die jüngst heimlich in ihr Heimatdorf zurück gekehrt war, um das Erbe ihres Vaters anzutreten, hätte ich gerne mehr erfahren. Denn eine junge Frau, die mehrfachen Missbrauch erlebt hat, wandert nicht einfach so mit 18 nach Australien aus und beginnt dort erfolgreich ein neues Leben. Die Rolle des Pfarrers fand ich ein bisschen überzeichnet, aber gut. Denn auch wenn der Geist willig wäre, ist doch das Fleisch recht schwach.

Die Hauptpersonen Katja Reichenbacher und Claudia Jensen sind sympathisch und gut beschrieben – das ungestüme Engagement der einen, sowie die Ruppigkeit der anderen. Auf die Person des Holgers, der sich später als geschiedener Architekt herausstellt, hätte ich gut verzichten können. Die Beziehung zwischen Katja und Holger war ab dem Zeitpunkt der Lawine bereits vorhersehbar, wie unnötig. Die Rollen der Zwillingsmädchen Hannah und Leah hingegen haben mir gut gefallen, Leahs Ängste beim großen Showdown absolut nachvollziehbar und plausibel.

Das Buch ist einem lockeren Stil verfasst und konnte mich von Anfang an fesseln. Die Handlung erreicht einen ordnungsgemäßen Spannungsbogen, der einen zeitweise angenehm atemlos werden lässt.
Alles in allem ist Spurlos im Schnee ein handwerklich sehr ordentlich geschriebener Thriller, auch wenn Schwachstellen aufweist.

Bibliografisches:

Diese Rezension habe ich geschrieben für Blogg Dein Buch.

Diese Rezension ist ein Beitrag für Daggis Buch-Challenge 2015, Aufgabe 35: Lese ein Buch von einem deutschen Autor (männlich oder weiblich).

Foto: Buchcover Spurlos im Schnee ©sabienes.de
Text: Spurlos im Schnee von Cordula Hamann ©sabienes.de

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