Gesundheit in Istanbul – Update
Am 3. September habe ich meinem Artikel Gesundheit in Istanbul über eine Familie in Istanbul erzählt, deren Zwillinge in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind. Sie konnten nur im istanbuler Amerikanischen Krankenhaus betreut werden, weil alle anderen Krankenhäuser eine Aufnahme verweigert haben. Das Amerikanische Krankenhaus ist eine Privatklinik, die Behandlung der Kinder erfolgt nur gegen Bargeld.
Inzwischen sind die beiden Zwerge zu Hause bei ihren Eltern, sind aber immer noch sehr bedürftig und brauchen noch in den nächsten Jahren eine umfangreiche medizinische Betreuung.
Seit ihrer Geburt kämpft ihre in Deutschland lebende Tante Birgül Dogan (mit der ich gut bekannt bin) um finanzielle Unterstützung und putzt bei den verschiedensten Organisationen in der Türkei und in Deutschland sprichwörtlich die Türklinken.
Nun ist eine Spendenaktion angelaufen: Die evangelische Gemeinde in Seligenstadt hat gespendet, eine Apotheke gab Frühchennahrung für über 300 Euro und viele Privatleute, Freunde usw.. Die Organisation “Ein Herz für Kinder” hat für die Behandlung der Kinder 10.000 Euro gespendet und nimmt weiterhin Spenden für sie entgegen.
Ich weiß, dass viele Leute zum Jahresende hin Geld an gemeinnützige Organisationen wie UNICEF, Rotes Kreuz usw. geben möchten. Etwas Konkretes für diese 2 Kinder zu tun, wäre auch eine gute Sache, meine ich.
Die Zeitung RheinMain-Extratipp hat einen Artikel über diesen Fall veröffentlicht: Frühchen in Istanbul (pdf). Hier findet ihr auch die Kontonummer von Ein Herz für Kinder, Kennwort “Zwillinge” bitte nicht vergessen.
An alle, die ein bisschen Geld für diesen Fall locker machen können ein herzliches Dankeschön oder “Vergelts Gott”!
Gesundheit in Istanbul
Gestern rief mich eine gute Bekannte an. Sie ist Türkin und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt, ihre Schwester lebt in der Nähe von Istanbul.
Vor 4 Wochen hat die Schwester Zwillinge zur Welt gebracht. Sie war erst in der 26. Schwangerschaftswoche, die Kinder wogen bei der Geburt gut 1000 gr.
(Für alle Nicht-Eltern: eine Schwangerschaft dauert ca. 40 Wochen, das normale Geburtsgewicht beträgt um die 3000 gr.)
Die Fahrt zum Krankenhaus muss die reinste Odyssee gewesen sein. Die Schwester lag mit Wehen im Krankenwagen, welcher verzweifelt durch Istanbul cruiste, auf der Suche nach einer Klinik, die Mutter samt Kindern aufnehmen würde. Alle Krankenhäuser verweigerten die Aufnahme, weil sie brutkastentechnisch nicht genügend ausgerüstet seien.
Die einzige Ausnahme war das amerikanische Krankenhaus, eine sehr moderne und gut bestückte Privatklinik. Eigentlich waren dort Mutter samt Kinder in besten Händen – wenn das liebe Geld nicht gewesen wäre. Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Privatklinik nicht (auch wenn es die einzige Möglichkeit ist, die Frühchen durchzubringen), der Vater verdient dementsprechend wenig. Bezahlt wird sofort und in bar.
Damit das Ganze nicht zu teuer wird, beschlossen die Eltern, die Kinder sobald als möglich in ein städtisches Krankenhaus in Istanbul umzuquartieren. Dort wurden sie so schlecht versorgt, dass die Kleinen die mühsam aufgepäppelten 200 gr, die sie seit der Geburt zugenommen hatten, wieder verloren. Bei einem Baby wurde beim Spritzen die Vene nicht gefunden, so dass es nun eine Nekrose am Händchen hat. Das Herzkammerflimmern des anderen Babies wurde nicht beobachtet. Nach einer Woche beschlossen die Eltern, die Kinder wieder in das amerikanische Krankenhaus zu bringen. Inzwischen hatte ein Baby eine schlimme Infektion, bei dem anderen mussten die Augen gelasert werden.
Wenigstens nehmen die Kinder wieder zu.
Das Geld der Familie nimmt ab.
Diese wichtigen Behandlungen kosten tausende von Euro, die diese junge Familie gar nicht haben kann. Bei uns wäre das alles selbstverständlich, in der Türkei gibt nur ganz wenig Unterstützung; erstaunlicher Weise ist dabei mehr von christlicher, als von muslimischer Seite zu erwarten. Andere Organisationen, wie “Ein Herz für Kinder” sind gerade dabei, den Fall zu prüfen.
Meine Bekannte hat ihren Goldschmuck verkauft, um zu helfen.
Ich werde auch helfen.
Wenn jemand dies hier liest und auch etwas geben möchte und kann, kann er sich bei mir melden. Ich leite dann den Kontakt weiter.
Foto: Istanbul, die Perle am Bosporus mit Blick auf den Galata-Turm
Arm Schwein
Hilfe! Hilfe!
Die Schweinegrippe greift pandemisch um sich!
Und es sind nur für 14 Prozent der Bevölkerung Medikamente vorhanden, dass erinnert mich an Zustände wie in Obervolta oder Tschad!
Dennoch ist dieser Wert von 14% erstaunlich, denn ich hätte den Anteil der Privatversicherten höher geschätzt…
Auf jeden Fall arbeiten die Hersteller der so dringend benötigten Heilmittel auf Hochtouren, eine Firma in Marburg soll sogar ein paar Opel-Kurzarbeiter als Mini-Jobber angestellt haben.
Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rät, die Ruhe zu bewahren, “Don’t Panic!”, so schlimm sei das alles dann wieder auch nicht. Na, was denn jetzt?
Als erste Maßnahme schlägt sie vor, sich regelmäßig die Hände zu waschen und sich in die Achseln zu husten.
(Letzteres lasse ich mal unkommentiert…)
Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass ich heute die eindringliche Werbung eines deutschen Drogeriediscounters hörte, in dem über die Wichtigkeit der Handhygiene parliert wurde. Ein Blick in die für meinen Einkauf zuständige Filiale überzeugte mich: die Seifen sind noch nicht ausverkauft, eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ist also auch für Kassenpatienten gewährleistet!
Foto: Buntschweine ohne Grippe in Rosenheim
Schall und Rauch
Unter meinen vielen negativen Eigenschaften ist eine, die mich tatsächlich wurmt: Ich bin nämlich Raucher.
Eigentlich bin ich ein Ex-Raucher, vielmehr ein Ex-Ex-Raucher. Betroffene wissen, was ich meine.
Vor einigen Jahren kam man auf die Idee, die Zigarettenschachteln mit Warnhinweisen zu versehen. Diese wurden meist nicht gelesen, ignoriert oder versteckt. Oder man wählte Verpackungen mit bestimmten Hinweisen aus, um sich auf eine vermeindlich sichere Seite zu träumen. So bevorzuge ich persönlich Warnhinweise, die mit Impotenz zu tun haben (weil ich ein Mädchen bin) und da meine Familienplanung abgeschlossen ist, kann mir auch ein Hinweis auf eine mögliche Schädigung des ungeborenen Lebens nichts anhaben.
Jetzt ist man auf die glorreiche Idee gekommen, ab 2010 die Schachteln mit Fotos von geteerten Lungen, Magengeschwüren, kaputten Zähnen und anderen Unappetittlichkeiten zu bedrucken.
Ganz abgesehen davon, dass ich dem Heer von Mediengestaltern die vielen neuen Jobs gönne, die durch diese Maßnahme entstehen werden.
Und auch mal ganz abgesehen davon, dass Rauchen tatsächlich schädlich ist und ich nur jedem raten kann, gar nicht damit anzufangen.
Aber muss das wirklich sein?
Die Idee kommt eigentlich aus Kanada, wo diese Aktion eine große Wirkung gezeigt hat. Angeblich.
Denn viel wahrscheinlicher ist doch, dass auch diese (echt scheußlichen) Fotos überklebt oder ignoriert werden und das Zigarettenetuis einen reißenden Absatz finden werden.
Im Sinne der Gleichstellung freue ich mich auf weitere Maßnahmen in diese Richtung: Fotos von einer zirrhotischen Leber auf Bierflaschen oder adipöse Kinder auf den Verpackungen von Milchschnitten oder Hamburger.
Foto: Holzfigur aus Guinea, gesehen am Frankfurter Flughafen














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