Imagine

Stell dir vor:
du bist ein kleines Kind, 3-4 Jahre alt.
Deine frühsten Erinnerungen bestehen aus einer glühenden Sonne und Staub. In deinen Ohren klingt das Lachen und Weinen von Kindern und Gesänge von Frauen, manchmal gemischt mit Schüssen aus der Ferne.
Du hast viel Hunger und noch schlimmer ist der Durst. Aber du hast früh gelernt, dass Weinen nichts hilft.
Wenn du Bauchweh hast, gibt es nichts, was deine Schmerzen lindert. Vielleicht stirbst du aber auch daran.
Manchmal nimmt dich eine Frau, Marimba Grace, in den Arm. Sie riecht warm und würzig und ein wenig nach Schweiß.
Eines Tages kommt eine fremde Frau in das Haus, in dem du wohnst. Sie hat so helle Haut, dass es dich fast blendet. Sie redet in einer Sprache, die du nicht verstehst. Und alle Blicke sind auf dich gerichtet. Als sie dich lächelnd auf den Arm nimmt, machst du dir vor Angst in die Hose. Sie kreischt, gibt dich weg und alle lachen.
An ihrem Körper ist nichts Weiches.
Sie riecht streng nach etwas Blumigen, redet viel und laut und schrill. Und telefoniert immer wieder mit einem dieser kleinen Telefone. Sie muss sehr reich sein.
Nach einiger Zeit kommt die fremde Frau wieder und nimmt dich in ein großes, vornehmes Haus mit. Du wirst von anderen fremden Menschen in einer Badewanne von oben bis unten abgeschrubbt. Das Baden macht dir Spaß, aber eigentlich willst du wieder zurück.
Dann kommt ein fremder Mann, guckt dir in den Mund, in die Ohren und sonstwo hin. Er untersucht deinen Kopf, murmelt etwas zu der fremden Frau und sticht dir in den Arm. Das tut dir weh.
Die fremde Frau schenkt dir ein schönes Kuscheltier und redet lächelnd auf dich ein. Das Tier, welches dein neues – und erstes - Plüschtier darstellt, hast du nie gesehen. Und du darfst essen und trinken, bis du Bauchschmerzen hast. Du wirst angezogen in Sachen, die seltsam riechen und hart sind. Aber sie sehen neu und teuer aus.
Du schläfst das erste Mal in deinem Leben alleine in einem riesigen Bett. Mit Kopfkissen. Weich.
Und alles so still.
Am nächsten Tag kommen Marimba und Pater Jonas zu dir. Marimba Grace hat Tränen in den Augen und sagt, dass du großes Glück hast und jetzt immer ganz brav sein musst.
Zum Abschied segnet dich Pater Jonas.
Du bist nun das neue Kind von Madonna.
Foto: Margarethenhöhe in Darmstadt
Kleine Kinder

Wie sagt der Volksmund immer so schön:
Kleine Kinder – kleine Sorgen;
Große Kinder – große Sorgen.
Entweder habe ich nicht die passenden Kinder für diesen Spruch oder der Herr Volksmund hat da was falsch verstanden.
Nächtliches Vertreiben der obligaten Monster, Fiebermessen oder das Wachsen der Zähnchen kurz nach Mitternacht können einen ziemlich ans Limit bringen, besonders wenn eine solche Nacht um halb Sechs morgens mit einem fröhlichen Krähen beendet wird.
Eine längere Autofahrt mit einem quengelnden Kind auf dem Rücksitz kann einem Erziehungsberechtigten zum Vorhof der Hölle werden.
Später werden die Nächte natürlich immer ruhiger, dafür fordern einen Erklärungen zur Notwendigkeit von Verzehr diverser Gemüsesorten genauso heraus, wie die Betreuung bei den Hausaufgaben und Termine beim Lehrer.
Wer mit seinem Sprössling keinen Konsenz über die Bestandteile adäquater Bekleidung findet, hat es schwer. Aber immerhin sind sie in diesem Alter in der Lage, den Kühlschrank selbstständig zu öffnen.
Man begleitet seine Kinder von Geburt an und bekommt dafür einen Spiegel vorgesetzt.
In jeder Familie gibt es Eigenheiten, Hobbies, Traditionen die von den Kindern hinterfragt werden und mit denen sich die Eltern auseinander setzen müssen:
“Warum geht ihr so spät ins Bett?”
“Warum rauchst du?”
“Darf ich auch mal ein Bier trinken?”
Da hilft keine Ausrede nach dem Motto: “Das ist nunmal so” oder: “Sei nicht so frech!”
Da hilft oft nur Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortungsgefühl.
Das gilt besonders, wenn die Kinder aus dem Alter heraus sind, in dem sie mit einer Milchschnitte zufrieden sind.
Und bei allem Mitgefühl mit den betroffenen Eltern sage ich mal ganz provokant:
Ihr seid mit Schuld, wenn euer Kind zur Waffe greift und ein Blutbad anrichtet.
Vielleicht habt ihr selbst eure Verantwortung dem Kind gegenüber und eurem Waffen-Hobby gegenüber nicht erkannt oder unterschätzt.
Oder nicht gewusst.
Und es war euch vielleicht auch egal.
Ihr habt es nicht verstanden, euren Kindern einen vernünftigen Umgang mit der eigenen Hilflosigkeit und Aggression zu lehren.
Ihr habt vielleicht eure Kinder schutzlos allen möglichen Einflüssen in den Medien ausgesetzt und eine kontroverse Diskussion im Elternhaus vermieden.
Und da ich sehr gut weiß, dass derjenige, der in der Kindererziehung alles richtig macht, den ersten Stein werfen darf, bin ich wieder ganz ruhig und sage nur noch:
Kleine Kinder – kleine Sorgen;
Große Kinder – ANDERE Sorgen.
(Und bete bei Gott, nicht allzu viele Fehler gemacht zu haben!)










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