Tannöd
Von Maria Schenkel
Gut, wenn man Kinder hat!
Hätte sich mein Sohn nicht voller Begeisterung den gleichnamigen Film im Kino angesehen, wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen, mir dieses Buch zu kaufen. Obwohl mich eigentlich immer interessiert hat, was hinter dem Titel “Tannöd” wohl stecken mag.
Zur Story:
Ein kleines bayerisches Dorf in den 50ern: Die Schrecken des Krieges sind gerade mal überstanden, man kann sich wieder unter Gottes Schutz der harten landwirtschaftlichen Arbeit widmen.
Da schreckt ein grausamer Sechsfachmord auf einem benachbarten Einödhof die Gemeinschaft aus ihrer selbstzufriedenen Lethargie.
Über die Mordopfer weiß jeder etwas zu sagen und meist nichts besonders Gutes. Das gilt gerade über den Danner, Patriarch und Hofbesitzer des “Tannöd”-Hofs.
Die Autorin Andrea Maria Schenkel führt ihren Leser auf den fast 150 Seiten gerne mal an der Nase herum. Zu Recht, denn eigentlich hätten viele ihrer Protagonisten guten Grund für eine solche blutige Tat. Und überhaupt haben hier viele Dreck am Stecken, da kann auch der Herr Pfarrer nichts ändern.
In ihrer Erzählung, die mehr ein Thriller als ein Krimi ist, lässt sie abwechselnd die Dorfbewohner, ähnlich wie eine Zeugenaussage zu Wort kommen und erzählt dann wieder aus der Sicht der Opfer ihr Erleben.
Das macht das Lesen sehr abwechslungsreich, kann aber anfänglich ein bisschen verwirren.
Andererseits überspielt dieser Kniff vielleicht auch Schenkels nicht allzu geschliffene Erzählsprache.
Störend finde ich die insbrünstigen Gebete aus dem Almanach der bigotten Hausfrau, die zwischendurch rezitiert werden. Eins hätte gereicht.
Die Story ist einer tatsächlichen Geschichte angelehnt, die Personen sind mit all ihren Fehlern und Tadeln beschrieben und die Tat erschütternd genug, so dass ich mich dieses Buch doch sehr gefesselt hat.
Elke Heidenreich hat das Erstlingswerk von Andrea Maria Schenkel in höchsten Tönen gelobt, was ich allerdings nicht ganz nachvollziehen kann.
Denn das Buch ist zwar schnell und locker gelesen, es handelt sich hierbei aber nicht unbedingt große Literatur, bzw. Krimi-Literatur.
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Text: Tannöd von Maria Schenkel ©Sabienes





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