Amazonen – eine Ausstellung in Aschaffenburg

Amazonen – eine Ausstellung in Aschaffenburg

Amazonen Kopf in Aschaffenburg

Amazonen in Aschaffenburg

Am Sonntag habe ich mir mit einer Freundin im Pompejanum in Aschaffenburg eine Ausstellung mit dem Titel „Starke Frauen – Die Amazonen“ angeschaut.

Leider ist diese Sonderausstellung trotz ihrer großflächigen Ankündigung etwas mickrig ausgefallen. Im Prinzip hätten alle Exponate in einer mittelgroßen Küche (um einmal bei einem Frauenthema zu bleiben) gepasst.

Dennoch ist einiges von dem, was man dort erfahren konnte, sehr interessant gewesen.

Die Amazonen an und für sich

Die Amazonen sind ein reiner Mythos der Griechen gewesen. Tatsächlich hat es dieses Volk nie gegeben.

Wie und warum man in der Antike der Idee verfiel, Geschichten von männerlos lebenden und kämpfenden Frauen zu kreiern, ist mir nicht bekannt. Denn sie entsprachen so gar nicht der Rolle, die man damals dem weiblichen Geschlecht zugewiesen hatte: fromm, züchtig und im Hause tüchtig.

Man hat deswegen ihre Wohnstatt auch vorsichtshalber außerhalb der griechischen Gebiete angesiedelt: Scharzmeerküste, Südrussland, Lybien, Äthiopien. So konnte sie kein Neugieriger mal auf die Schnelle besuchen und nachgucken, ob das alles stimmt, was z.B. Homer so über sie erzählen.

In den Erzählungen der Griechen waren die Amazonen immer kriegerisch, aber auch immer letztendlich dem Manne, dem Patriarchat, unterlegen.
Entweder in einem blutigen Kampf oder aber durch galante Verführung, wie es bei der Amazone Antiope und dem Athener Theseus der Fall gewesen sein soll.

Dies alles förderte zwar den Mythos dieser starken Frauen, ließ aber  (samt der Behauptung, sie würden sich in einem grausamen Akt die rechte Brust entfernen, damit sie nicht beim Bogenschießen hindere), den Beruf ‚Amazone‘ mit all seinen Zukunftsaussichten für junge griechische Mädchen an Attraktivität verlieren.

Schade eigentlich, dass es diese Damen nie gegeben hat.

Oder doch?

Dann hätte die Ausstellung ein bisschen größer ausfallen müssen.

Weitere Infos zu dieser Ausstellung findet ihr unter info-aschaffenburg.de

Foto: Haupt einer Amazone ©Sabienes
Text: Amazonen ©Sabienes

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6 Antworten

  1. Die Amazonen scheint es doch gegeben zu haben: Zwei Archäologen – Jeannine Davis-Kimball und Leonid Jablonskij – in Südrussland und in der Ukraine Gräber gefunden – offensichtlich von Kämpferinnen – wegen die Waffen. Ja, es wurden sogar Gräber gefunden, da hatten die Gräber der Frauen wesentlich mehr Beigaben als die der Männer.

    Dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen kämpfen können – machte den Männern stets zu schaffen. In der Mongolei ist mal folgendes passiert. Da besiegte ein Mensch alle Männer. Dann stellte sich heraus, dass das eine Frau war. Seitdem wurde das „Affenjäckchen“ für die Teilnehmer eingeführt – also das Jäckchen mit freier Brust. Damit sollte verhindert werden, dass wieder eine Frau sich unter die Teilnehmer schmuggelte – dies gilt bis heute ;-)

    Gerade hier im Westen haben anscheinend Männer immer noch Schwierigkeiten mit Frauen in der Truppe. Da gab es mal im Spiegelfechter eine Diskussion über Armeen, da habe ich mich beteiligt und von meinen Erlebnissen erzählt. Sofort fielen „Männchen“ über mich her und behaupteten, in der Roten Armee gebe es keine kämpfenden Frauen … So ein Stuss!

    Was Homer und seine Kollegen über die Amazonen zusammenphantasierten, war wohl die Reaktion des damaligen griechischen Patriarchats auf emanzipatorische Bewegungen. Also wurden Gruselgeschcihten erzählt wie Amazonen fressen Männer! Das erinnert mich an Lügengeschichten, die Antisemiten auch heute noch ihren Kindern erzählen, dass Juden kleine Kinder essen …

    Ich wünsche mir, dass das Amazonenhafte sich bei den Frauen von heute mehr durchsetzt. Ich rate beispielsweise alle Mädchen und jungen Frauen, an einem Selbstverteidigungskurs teilzunehmen – das steigert auch das Selbstbewusstsein!

  2. moni sagt:

    Liebe Sabine,
    was Du da geschichtliches berichtest, ist interessant. Vielleicht gibt es insgesamt nicht viele Kunstgegenstände, die sich nur mit den Amazonen beschäftigen und die Ausstellung war deshalb eher sparsam bestückt. Immerhin haben die Amazonen den Männern zu allen Zeiten Angst eingejagt und in einer archaischen Gesellschaft wurden eben die männlichen Vorbilder von den Künstlern dargestellt. Starke Frauen waren zu allen Zeiten suspekt und je weiter sie weg waren, um so weniger gefährlich für die reine Männergesellschaft!
    Ich bezweifle aber, dass schon allein ein Selbstverteidigungskurs eine Frau stark macht. Hier geht es doch vielmehr um die mentale Kraft, um die Loslösung von alten Klischees der unterwürfigen Frau, die erdulden muss, was man(n) von ihr fordert. Und hier wäre ein wenig mehr von dem Geist gut, den man den Amazonen (egal ob real existierend oder nicht) nachgesagt hat.
    Wie gesagt, ich halte nichts davon, dass Frauen werden müssen/sollen wie Männer und das nennt man dann gleichberechtigt. Nein, Frauen müssen sich als Frauen emanzipieren und auf diesem Weg stehen wir (leider) auch heute ganz offensichtlich immer noch ziemlich am Anfang.
    Einen schönen Tag und liebe Grüße
    moni

    • Sabienes sagt:

      @moni: Erstaunlich ist, dass die Griechen in der Kunst sehr viele Darstellungen von Amazonen hatten. Meistens sind diese mit einem weißen Körper versehen, statt mit einem schwarzen.
      Selbstverteidigung: Ich habe mal einen Wendo-Kurs gemacht, da lernt man Grundbegriffe von Selbstverteidung und ist so ein Mix von allem, was es bei Judo, Karate, Jiutjiu (oder wie man das schreibt) an Alltagstauglichem gibt.
      Das ist natürlich nicht die Lösung für alle Probleme, aber es war lehrreich zu sehen, wie viel Kraft man auch als „schwache“ Frau hat (ich war damals im 4. Monat schwanger) Unsere erste Übung war, ein Stück Holz mit der Handkante zu zerschlagen und wir alle haben es geschafft. Auch war es gut zu sehen, wie man mit einem ängstlichen und mit einem selbstbewussten Auftreten auf andere wirkt.
      Ich kann jedem empfehlen, einen solchen Kurs zu besuchen!
      LG
      Sabienes

  3. Iris sagt:

    Selbstsichere Ausstrahlung ist in meinen Augen die beste Form der Selbstverteidigung, denn sie reduziert die Zahl möglicher Angriffe erheblich. Das gilt überigens für jeden, egal ob Mann oder Frau.

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