Der nasse Fisch (Gereon Rath 1) von Volker Kutscher [Rezension]

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Der nasse Fisch (Gereon Rath 1) von Volker Kutscher [Rezension]

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Der nasse Fisch ist der erste Band der Gereon-Rath-Reihe

Berlin 1929. Der Kriminalkommissar Gereon Rath wird von seiner Heimatstadt Köln in das Berlin der Weimarer Republik versetzt. In der „Roten Burg“, wie das Polizeipräsidium Alexanderplatz auch genannt wird, arbeitet er bei der Sittenpolizei. Aber heimlich liebäugelt er mit einer Versetzung zur hochangesehenen Mordkommission.
Als aus dem Landwehrkanal eine unbekannte Leiche geborgen wird, wandert dieser Fall schnell zu den „nassen Fischen“, den ungeklärten Mordfällen. Um sich einen Namen zu machen, beschließt Rath, auf eigene Faust der Sache nachzugehen.

Seine heimlichen Nachforschungen führen ihn in die Berliner Unterwelt der großen und kleinen Gauner. Er verliebt sich in seine Kollegin Charlotte, muss aber eine Leiche verschwinden lassen. Er hat einen Diensteinsatz während des brutalen Berliner Blutmai und wird in der Roten Burg niemanden mehr trauen können.
Denn es geht um viel Gold, das aus Russland geschmuggelt worden ist.

Volker Kutscher

Volker Kutscher, Jahrgang 1962 wuchs in der Gegend von Köln auf. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft und arbeitete jahrelang als Journalist. Sein 1995 erschienener Roman Bullenmord machte keine großen Schlagzeile. Mit dem ersten Band der Gereon-Rath-Reihe Der nasse Fisch konnte er sich endlich einen verdienten Namen machen.
Volker Kutscher lebt in Köln

Der nasse Fisch – Meine Meinung

Woran denkt ihr, wenn ihr an ein Berlin in der Weimarer Republik denkt?
Ich sehe da einen Moloch von einer Millionenstadt mit viel Dreck, viel Armut und Tristesse. Während ein Teil der Bevölkerung seinen Kaiser Wilhelm wieder haben will, kämpfen im Wedding die Arbeiter unter roten Fahnen und am Horizont drohen bereits die Braunhemden mit ihren Hakenkreuzen. Dass mittendrin eine Liza Minelli im Cabaret singt und tanzt und der Emil mit seinen Detektiven einen Dieb jagen, macht es für mich nicht besser.
Deswegen habe ich auch lange überlegt, ob ich mir diesen historischen Kriminalroman überhaupt antun soll. Aber gleich nach den ersten Seiten war ich bereits vollkommen in dieser Zeit und im Geschehen aufgegangen. Und das, obwohl die Atmospäre wirklich sehr düster und grau wirkt.
Aber mit Sicherheit hatten die Menschen damals wirklich nicht so viel zum Lachen und somit hat Volker Kutscher den Zeitgeist wirklich gut getroffen.

Die eigentliche Geschichte ist sehr gut und spannend erzählt, wenn auch mit viel Melancholie gewürzt. Mit Gereon Rath hat der Autor einen Charakter geschaffen, für den es nicht nur schwarz und weiß gibt. Manche „bösen“ Menschen haben auch gute Gründe und umgekehrt.
Allerdings lässt er keinen Zweifel, dass die wirklichen Drahtzieher in der Story auch tatsächlich sehr böse sind.

Aber da möchte ich nicht weiter vorgreifen.

Die Reihenfolge der Gereon-Rath-Reihe

Volker Kutscher hat die Gereon-Rath-Reihe auf insgesamt acht Folgen geplant. Hier ist die Reihenfolge:

  • Der nasse Fisch (2008)
  • Der stumme Tod (2009)
  • Goldstein (2010)
  • Die Akte Vaterland (2012)
  • Märzgefallene (2014)
  • Lunapark (2016)
  • Moabit (2017)
  • Marlow (Oktober 2018)

Gereon Rath hat auch eine eigene Internetseite und man erfährt auf ihr noch sehr viele Hintergrundinformationen. Hier findet ihr auch eine Auflistung der Namen, die in dem Buch vorkommen. Bei einigen handelt es sich tatsächlich um historische Personen, wie der Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel oder der Kriminalrat der Mordkommission Ernst Gennat.
Interessant sind auch die Fotografien aus dem alten Berlin, die einem ein bisschen erahnen lassen, wie das Leben damals zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus ausgesehen hat.
Dabei macht dieses Berlin gar nicht immer einen so tristen Eindruck. Und ich überlege, wie die Menschen damals oder später rückwirkend diese Zeit wohl empfunden haben.

Berlin Babylon

Das Buch „Der nasse Fisch“ ist die Vorlage für den derzeitigen Superknaller der ARD, die Serie Berlin Babylon von Tom Tykwer

Grundsätzlich haben die Filmemacher lediglich das Sujet und die Namen der Protagonisten übernommen. Das Buch kommt im Gegensatz zum Buch mit weniger Drogen, Blut und käuflichen Sex aus. Dennoch finde ich die Serie wirklich sehenswert, zumal die Schauspieler sehr gut ausgewählt wurden.

Meine Empfehlung: Seht euch zuerst die Verfilmung und lest dann das Buch! Ich hatte das Buch und andere Bände aus dieser Reihe bereits vor mehreren Jahren gelesen und konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Die ersten Episoden von Berlin Babylon habe ich zum Anlass genommen, mir den nassen Fisch noch mal vorzunehmen.
So geht es auch.

Fazit:

Es gibt fröhliche und lustige Krimis (zum Beispiel die Eberhofer-Reihe), es gibt ernste Kriminalromane, die aber nicht durchgehend nur düster und traurig sind. Und es gibt solche, die auf Grund der historischen Szenerie nicht viel Platz für Sonnenschein bieten. Um einen solchen handelt es sich bei dem vorliegenden Kriminalroman Der nasse Fisch.
Obwohl ich mich beim Lesen nicht gerne von Düsterniss umwölken lassen möchte, erhält dieser meine absolute Leseempfehlung. Nicht nur, weil man wenig Belletristik aus der Zeit der Weimarer Republik kennt. Sondern auch weil dieses Buch von einem Autor stammt, der sein Handwerk versteht.

Wem könnte dieses Buch gefallen:

  • Berlinern
  • Freunde von deutscher Krimilektüre
  • Lesern, die gerne historische Romane oder Kriminalromane lesen

Für wen wäre dieses Buch eher nicht geeignet:

  • Lesern, denen Kriminalromane aus Deutschland zu trivial erscheinen
  • Alle Leser, die sehr viel Action im Buch brauchen
  • Leute, die keine kritischen Anspielungen auf Nazi-Deutschland lesen wollen.

Bibliografisches

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Bibliografisches zu dem Buch „Der nasse Fisch“

  • Titel: Der nasse Fisch
  • Autor: Volker Kutscher
  • Taschenbuch: 542 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 34. (25. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040227
  • ISBN-13: 978-3462040227
  • Preis Stand Oktober 2017: 12,00 € (Taschenbuch), 9,99 € (Kindle), ab 395,90 € (Gebundenes Buch – kein Tippfehler!), 7,99 € (Audio-CD, gesprochen von Sylvester Groth)
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(Alle Angaben ohne Gewähr)


Mit dieser Rezension beteilige ich mich an Daggis Buch-Challenge 2018, Aufgabe 9: Lese ein Buch mit mindestens einer Person auf dem Cover


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Alle Fotos: Der nasse Fisch (Gereon Rath 1) von Volker Kutscher [Rezension] ©sabienes.de
Text: Der nasse Fisch (Gereon Rath 1) von Volker Kutscher [Rezension] ©sabienes.de
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Der nasse Fisch (Gereon Rath 1) von Volker Kutscher
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9 Antworten

  1. Ines sagt:

    Danke für die Vorstellung, Leseprobe ist schon geordert!

  2. Ich lese sehr viel und gerne, dennoch verirrt sich ein Krimi selten unter meine Lektüre – danke daher für deine tolle Vorstellung. Dieses Buch scheint Einiges zu versprechen, wenn es auch geschichtlich gut aufbereitet ist, und passt wunderbar für gemütliche Lesestunden an stürmischen Herbsttagen. Die Serie „Babylon Berlin“ habe ich bisher nicht verfolgt, aber heute sollen ja wieder Folgen ausgestrahlt werden – dann lasse ich mich am Abend am besten gleich einmal einstimmen.
    Hab noch einen wunderbaren Urlaub und alles Liebe

    • Sabiene sagt:

      @Wonderful Fifty: Hoffentlich hast du in Babylon Berlin noch einen Einstieg finden können!
      Das besondere an dem Buch, bzw. Buchserie ist ja nicht nur, dass es ein Krimi ist, sondern viel über das Leben zu der damaligen Zeit wiedergibt.
      LG Sabienes

  3. Gabi sagt:

    Ich lese gerne Krimis. Wenn man bedenkt wie diese Zeit damals war beeindruckt mich immer wieder die trotzige Lebensfreude der Menschen. Heute geht fast allen gut und es wird mehr gejammert denn je. Darüber könnte man schon nachdenken. Liebe Grüße Gabi
    Das Buch werde ich lesen.

    • Sabiene sagt:

      @Gabi: Das mit der Lebensfreude ist auch etwas, was ich aus den Erzählungen meiner Oma herausgehört habe. Und die hat nicht mal in Berlin gewohnt, sondern in der Provinz. Aber die Leute waren damals auf eine gewisse Weise recht fidel – wenn sie nicht gerade hungrig waren.
      LG Sabienes

  4. ONMA sagt:

    Dank für die Idee, die du geteilt hast. Ich war so amzie beim Lesen dieses es ist wirklich nett und du hast eine Menge Informationen geteilt.

  5. Daggi sagt:

    Babylon Berlin ist mir auf der Buchmesse öfter begegnet, aber ich hatte bis dahin keine Idee, was dahinter steckt. Nun bin ich wieder ein Stück schlauer geworden :)

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