Populismus im Internet und die ganze Lügenpresse

Populismus im Internet und die ganze Lügenpresse

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Populismus im Internet

Die Präsidentschaftswahl in den USA hat das Phänomen einmal wieder deutlich gemacht. Aber eigentlich sollte es uns bereits seit den Pegida-Umtrieben und der AfD kennen: Ohne den ganzen Propaganda im Internet könnten alle Populisten dieser Welt einpacken.
Billiger und zugleich effektiver geht es kaum, will man sogenannte Wutbürger und Loser um sich herum versammeln. Nirgendwo sonst können sich vermeindlich Zu-kurz-Gekommene ohne viel Aufwand und unverbindlich um den heiligen Gral des pauschalen Nationalismus versammeln.
Deswegen fragt der Webmasterfriday in dieser Woche sehr zu recht: Spaltet das Internet die Gesellschaft?wmf-logo

Die Spaltung der Gesellschaft

Viele jungen Leute informieren sich heutzutage über politische Themen weniger mit Hilfe von Tageszeitung oder Tagesschau. Oft reicht ihnen der Blick ins Internet, weil sie dort alle relevanten News geboten bekommen.
Vermeindlich.
Denn die wenigsten besuchen hierfür die Portale der großen Nachrichtenredaktionen. Und bekanntlich ist das Lesen von komplexen Themen etwas anstrengend, wenn man dies auf dem Smartphone versucht. Also reichen die Headlines von irgendwelchen Newstickern, Blogs und auf Facebook vollkommen aus, um Bescheid zu wissen.
Dass, was dort verlautbart wird, muss nicht unbedingt falsch oder schlecht sein. Dennoch – und das ist wissenschaftlich nachweisbar – fräsen sich auch kurze, unreflektierte Informationen ganz unbemerkt in unser Gehirn ein.
Das nennt man dann Gehirnwäsche.
Oder digitale Verblödung.

Lügenpresse früher und heute

In der Presse ist schon immer gelogen worden, wie gedruckt.
Sogar die Bibel-Kopisten haben in ihren zugigen Klosterzellen beim Abschreiben der Bibel bewusst oder unbewusst Fehler gemacht. Die Möglichkeit, im Radio oder Fernsehen auf Unwahrheiten oder gar Populismus zu stoßen, ist auch gegeben. Die älteren Semester von euch erinnern sich vielleicht noch an die Hetzpropaganda eines unsäglichen Gerhard Löwenthal im damaligen ZDF-Magazin.
Und im Internet wird natürlich auch gelogen, dass sich die Balken biegen. Aber wenn irgendwo „Lügenpresse“ skandiert wird, sieht es so aus, als wären damit hauptsächlich die „alten“ Medien gemeint, also Presse, Radio und Fernsehen.

Populismus im Internet

Mark Twain hat einmal gesagt:

Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.

Das Internet bietet gerade der Lüge für ihre Erdumrundung das ideale Gefährt, denn es eignet sich wunderbar für kurze, knackige Nachrichten nach dem Motto „Ihr seid alle doof“.
Die Wahrheit hat es mit ihren Schuhen, also mit ihren komplizierten Zusammenhängen und Formulierungen schon ein bisschen schwieriger und bewegt sich dadurch sehr behäbig. Deswegen ist der Populismus im Internet auch so brisant. Es bietet die ideale Plattform für einfache Aussagen und Lösungen. Wer will schon einen halbseitigen Artikel in der FAZ lesen, der so hochgestochen ist, dass man bloß die Hälfte kapiert? Das geht im Internet viel einfacher!
Und das geht sogar noch einfacher als in der BILD-Zeitung, obwohl die ja über Jahrzehnte hinweg die absolute Nummer Eins im Populismus gewesen ist.

Fazit

Ich bin mir bewusst, dass ich hier ein sehr negatives Bild über ein Medium, dass ich sehr schätze und sehr oft nutze, zeichne.
Aber andererseits müssen wir uns auch dessen bewusst sein, dass das Internet nicht nur ein Format für Sport, Spiel, Spaß und Spannung ist, oder eine Möglichkeit, mit deren Hilfe wir mit unseren Freunden kommunizieren oder mal ein Fremdwort googeln.
Das Internet ist auch ein Format, mit dem Meinungen transportiert werden. Diese können falsch oder richtig sein oder linke oder rechte Parolen transportieren oder manchmal sind sie auch ganz einfach vernünftig.
Und zwar Vernunft nach den Maßstäben des Herzens und des Verstands.

Und dies zu unterscheiden könnte eine der großen Aufgaben unserer Zeit darstellen.

Foto: Populismus im Internet ©sabienes.de
Text: Populismus im Internet und die ganze Lügenpresse ©sabienes.de

14 Gedanken zu “Populismus im Internet und die ganze Lügenpresse

  1. Ich kann dir in diesem Punkt nur aus vollem Herzen zustimmen. Aber du kennst ja meine Haltung zum Internet auch ganz gut. Einerseits nutze ich es selbst sehr viel und möchte nicht darauf verzichten. Andererseits habe ich dafür wenig Verständnis, wenn andere die Gefahren, die dieses Medium in sich trägt, einfach schönreden. Eins ist allerdings auch wahr. Das Internet ist da und wird nie wieder weggehen. Ob wir das von unserer Demokratie auch sagen können? Da bin ich nicht so sicher.

  2. Ich finde es schon erschreckend, wie sich die Parolen sich auch im Netz durchsetzen und wieviele darauf anspringen, ich glaube es ist eine neue Art des „Stammtischgeredes“ das sich mittlerweile einfach aufs Internet verlegt hat. Dort verbreitet es sich einfach nur schneller als hinter halb vorgehaltener Hand in der alten Eckkneipe nebenan.

    LG
    Petra

  3. Prinzipiell hast du Recht, aber jede Medaille hat zwei Seiten. Im Internet können sich billig und effektiv die Wutbürger treffen und finden, aber auch die Gegenbewegung. Es ist ein Ausgleich und man muss schauen wer in der Überzahl ist.

    Ich besuche im Net übrigens auch keine großen Nachrichtenportale. Wenn ich belogen werden will stelle ich mich vor den Spiegel und erzähle mir selbst das ich wunderhübsch bin. Ich bin mehr an Wahrheit und Fakten interessiert und da hab ich bei den Nachrichtenportalen wenig Chancen. Es ist mühsam und zeitaufwendig, aber man findet wenn man sucht.

    • @Asmaa: „Wenn ich belogen werden will stelle ich mich vor den Spiegel und erzähle mir selbst das ich wunderhübsch bin. “ LOL! Was für ein guter Spruch!!!
      Man darf aber auch nicht vergessen, dass es wohl keine allgemeingültige Wahrheit geben kann. Oder zumindest nie zu 100%. Man muss immer selber nachdenken und darf dies niemals anderen überlassen.
      LG
      Sabienes

  4. Es ist so unfassbar wichtig, dass wir erkennen, was gerade schief läuft – es ist so einiges! Es stimmt mich sehr nachdenklich, dass es so schwer ist, die sozialen Medien so zu gestalten, dass da qualitative Inhalte transportiert werden. Was hat man denn für Möglichkeiten?
    1. Dagegenhalten? Problem dabei – man hat nicht genug Leute, die so offensiv gegen Hetze organisiert vorgehen (Ressourcenproblem)
    2. Verbieten? Facebooks Meldefunktion funktioniert leider nur bei Nippeln
    3. „Demokratischen Populismus“ propagieren? Daran glaubt mittlerweile niemand…

    Irgendetwas muss auf jeden Fall geschehen…

    Liebe Grüße
    Alice

    • @Alice: Populisten transportieren immer gerne einfache Lösungen für die Sorgen und Nöte der Menschen.
      Gefahr durch Klimawandel? Den gibt es gar nicht.
      Kriminalität auf den Straßen? Das sind alles die Flüchtlinge, also weg damit.
      Mit diesem Instrument werden immer alle Populisten im Vorteil gegenüber den demokratischen, fortschrittlichen Menschen sein. Vielleicht sollte man den Bürgern einmal klar machen, dass es niemals einfache Lösungen gibt.
      LG
      Sabienes

  5. m.E. ist die verbindende Wirkung des Internets weit stärker als die (ebenfalls vorhandene) spaltende Wirkung. Ihre Folge ist u.a. ein nie gekanntes Ausmaß an internationalen Hilfsaktionen und Solidaritätsbekundungen.
    Nicht umsonst ist Internet immer das erste was anti-demokratische Regierungen einschränken bzw. abschalten, wenn die Bürger sich zu wehren anfangen.
    Wir sollte nicht all zu ängstlich umgehen mit Dinge, die sehr nutzlich sind, obwohl sie auch missbraucht werden können. Vielmehr sollten wir verstärkt ihren positiven Effekt nutzen, damit der Missbrauch nicht die Oberhand bekommt.

  6. In gewisser Weise sehe ich es auch so wie du. Wenn man liest, was täglich über Twitter, Facebook, Nachrichtenseiten usw….. verbreitet wird.
    Trotzdem gelogen wurde schon immer. Auch, als es NUR die gute alte Zeitung und TV gab. Gott sei Dank gab man uns allen ein Hirn dass eigenständig denken kann. Und das wir heute genau benutzen wie in den Jahren vor dem Internet.
    Was ich in meiner Umgebung immer mehr beobachten kann, dass sich besonders die Jugend zwar über das Net informiert, aber trotzdem oder gerade deswegen mit den jeweiligen Themen beschäftigt und auch hinterfragt. …

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