Reisemangel – Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren?

Reisemangel – Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren?

Zuletzt bearbeitet am 5. Oktober 2018

reisemangel

So könnt ihr eine Entschädigung erhalten, wenn der Urlaub ein Albtraum gewesen ist

Dreckiges Hotelzimmer, Baulärm vor dem Fenster und das Essen ist ungenießbar … Habt ihr schon mal einen Urlaub erlebt, der so richtig aus der Hölle zu stammen scheint?
Ich hoffe nicht!
Ansonsten habt ihr vielleicht auch schon Erfahrungen mit Reisemängel aller Art machen müssen. Das kann einem schon mal gründlich den Urlaub verderben und danach hat man auch noch Scherereien mit der Reklamation.
Welche Mängel alles unter dem Begriff Reisemangel fallen und wie man sich als Urlaubsgast am besten dagegen wehrt, habe ich einmal in diesem Artikel zusammengefasst. Dabei habe ich mich vorerst nicht mit den Fluggastrechten auseinandergesetzt, wie zum Beispiel Flugverspätungen.
Das ist nämlich ein so umfangreiches Thema, dass ich das gesondert behandeln möchte.

Was ist ein Reisemangel und was nicht?

Es gibt ja Leute, die regen sich über vieles auf und reklamieren alles mögliche. Und es gibt welche, die leiden stumm, weil sie glauben, dass ein dreckiger Pool zum besonderen Lokalkolorit des Landes gehört. Deswegen schauen wir uns einmal eine mögliche Mängelliste genauer an:

Erheblicher Reisemangel

Von einem erheblichen – also richtig schlimmen – Reisemangel könnt ihr zum Beispiel ausgehen, wenn:

  • ihr in einem schlechterem Hotel untergebracht werdet, als ihr gebucht habt,
  • euer Hotel noch nicht fertig gestellt ist,
  • ihr statt einem kuscheligen Doppelzimmer nur zwei Einzelzimmer bekommt,
  • die Dusche oder Toilette nicht funktionieren,
  • das Zimmer nicht gesäubert wird,
  • sich offene elektrische Leitungen im Badezimmer befinden,
  • ihr Schimmel im Hotelzimmer habt,
  • ihr ein Hotel mit Animation oder Kinderbetreuung gebucht habt, was aber dann doch nicht angeboten wird,
  • im Winter die Heizung nicht funktioniert,
  • die gebuchte Verpflegung ausfällt,
  • wenn das Essen beweisbar minderwertig ist,
  • statt dem ausgelobten Sandstrand nur ein steiniger, felsiger Strand zur Verfügung steht,
  • neben dem Hotelstand die Abwasserrohre des Hotel ins Meer führen,
  • der Hotelstrand zu mehr als zur Hälfte abgesperrt ist.

Diese Auflistung ist aber nur ein Ausschnitt. Wenn ihr ganz genau wissen wollt, was alles unter diese Kategorie fällt, empfehle ich euch die Frankfurter Liste.

Unerheblicher oder gar kein Reisemangel

Immer wieder geben die Reiseveranstalter Listen mit den skurrilsten Reklamationen heraus. Ich frage mich da manchmal, ob hier die Urlauber sich aus Unkenntnis oder aus der Freude am Herummeckern beschwert haben.
Denn es gibt außerhalb der eigenen vier Wände einfach Umstände, die man hinnehmen muss, zum Beispiel;

  • bis zu fünf Kakerlaken im Zimmer, wenn man in ein südliches Land reist,
  • Stimmen aus dem Nachbarzimmer,
  • Kinder im Speisesaal, die herumtollen,
  • verschmutzter öffentlicher Strand,
  • den Ruf des Muezzin in einem muslimischen Land oder Kirchenglocken in einem christlichen Land
  • wenn sich die angeblichen „feurigen“ südländischen Männer als doch nicht so feurig herausstellen.

Wie reklamiert ihr einen oder mehrere Reisemängel?

Nehmen wir mal an, ihr habt nun wirklich einen Reisemangel an eurer Unterkunft oder am Urlaubsort entdeckt. Nun wäre es natürlich sehr praktisch, wenn ihr den Prospekt oder einen Ausdruck von der jeweiligen Internetseite dabei habt, damit ihr einmal vergleichen könnt. Gerade bei Internetbuchungen übersieht man als Laie einmal schnell ein paar Details, die einem dann vor Ort stören.

Wenn ihr auf einer Pauschalreise etwas reklamieren müsst, dann seid ihr gut dran. Denn in diesem Fall ist euer Reiseleiter euer erster Ansprechpartner, den ihr vor Ort kontaktieren müsst. Wenn der nicht greifbar ist oder unwillig, solltet ihr euch an den Reiseveranstalter wenden. Seit dem 1. Juli 2018 ist auch das Reisebüro für euch zuständig.

Wir Individualreisende haben es da schon etwas schwerer. Bei solchen Reisen ist das Personal an der Rezeption für die Reklamationen zuständig, was bei Sprachproblemen vielleicht ein bisschen mühsam werden könnte. Und dann wendet ihr euch auch hier an den Reiseveranstalter oder an das Reisebüro.

Wichtig ist, dass ihr bei Reklamationen folgendermaßen vorgeht:

hand– macht von den Reisemängeln so viele Fotos und Videos wie möglich – am besten mit dem Handy, damit ihr sie eventuell verschicken könnt,

hand – schreibt ein Protokoll über den Reisemangel und über die Gespräche mit den Verantworlichen (also Reiseleiter, Hotelpersonal etc.),

hand    – schließt euch mit anderen Urlaubsgästen kurz und tauscht Adressen, Bilder und Protokolle aus.

Um eure Ansprüche geltend zu machen, habt ihr seit neuestem zwei Jahre nach Beendigung der Reise Zeit. Musterbriefe für eine Reisemängelanzeige findet ihr überall im Internet, zum Beispiel beim ADAC.

Reisemangel: So viel Preisminderung könnt ihr erwarten

Die Höhe der Urlaubsentschädigung wird immer im Einzelfall entschieden, aber die oben erwähnte Frankfurter Tabelle kann euch zur Orientierung dienen.
Nach meinen Recherchen gibt es:

  • bis zu 75 Prozent Reisepreisminderung, wenn das gebuchte Hotel nicht fertiggestellt ist.
  • bei Baulärm zwischen 7 und 23.30 Uhr bis zu 50 Prozent,
  • etwa 40 Prozent, wenn der gebuchte Club nur aus einem normalen Hotel besteht,
  • bei einem zu kleinen Zimmer bis zu 20 Prozent,
  • und bei mangelhafter Qualität des Essens ca. 15 Prozent.

Unser persönliches Hotel aus der Hölle:

Das schlechteste Urlaubshotel, was wir jemals erlebt hatten, war das Hotel Marquesa in Puerto de la Cruz auf Teneriffa.
Das Essen war wirklich zum Verzweifeln und die Zimmer in einem ganz miesen Zustand. Leider war damals das Wetter auf der Insel ziemlich schlecht, so dass wir zwei Tage lang gezwungen waren, uns im Hotel aufzuhalten und das ganze Elend zu betrachten.
Wir haben es damals nicht reklamiert (Lokalkolorit?), heute würden wir das tun.


Welche Erfahrungen habt ihr bislang mit Reisemängeln machen müssen?
Habt ihr reklamiert und seid ihr dabei erfolgreich gewesen und habt einen Schadensersatz erhalten?
Erzählt es mir!


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Alle Fotos: Reisemangel – Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren? ©sabienes.de
Text: Reisemangel – Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren? ©sabienes.de
Zusammenfassung:
Reisemangel - Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren?
Titel
Reisemangel - Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren?
Beschreibung
Einen Reisemangel im Hotel muss man nicht unbedingt hinnehmen. Hier zeige ich euch, was ihr bei der Reklamation beim Veranstalter beachten müsst
Autor

pinit fg en rect red 28 - Reisemangel - Was ist das und wie könnt ihr richtig reklamieren?

 

6 Antworten

  1. Ines sagt:

    Schönes Thema. Meinen Urlaub aus der Hölle hatte ich 1999 in der Spindlermühle im Riesengebirge in Tschechien. Man sollte da angeblich ja sooo viel für sein Geld bekommen … Das angebliche 4 Sterne Hotel – zum gleichen Preis wie ein mir bekanntes ordentliches 3 Sterne Hotel in Österreich – war ein übrig gebliebener Ostblockbau mit zwei Einzelbetten im grün beschichtetem Kinderzimmerlook aus den 1970ern. Der Schnee wehte auf dem Flur in der Ecke durch die Mauer hinein. Das Skigebiet ein Witz, die paar Lifte und abgerockte Reste aus Österreich, die Hütte mit Plumpsklo und das Essen (Halbpension) im Hotel war ein matschig-geschmackloser Alptraum. Wir sind nach 4 oder 5 Nächten anstatt 7 abgereist. Vom Reisebüro in Hamburg gab es einen Gutschein über 2 Nächte nach Abzug der Verpflegungskosten zurück. Den habe ich dann später dort für eine Bahnfahrt immerhin einlösen können. Tschechien? Für mich seitdem nie wieder!!!

    Auf Sylt hatten wir schon mehrfach nur kaltes Wasser und 2 Tage im April keine Heizung. Sylter atmen sowas weg. Die murmeln nicht mal sorry … weil der Vermieter ansonsten entgegenkommend ist, haben wir dann auch nur tief geatmet … was würdest Du dafür ansetzen?

    • Sabienes sagt:

      @Ines: Tschechien kann jenseits von Prag und anderer Touristenzentren noch ziemlich marode sein, besonders in den 90ern war das noch recht arg. Ansonsten liebe ich dieses Land und weiß gar nicht so genau, warum. Aber bei Schnee auf dem Flur würde bei mir die Liebe definitiv aufhören und wenn das berühmte tschechische Essen nicht schmeckt, wäre ich empört.
      Im April kann es doch auf Sylt noch ziemlich kalt sein, oder? Wenn dann die Heizung nicht funktionieren würde, würde mich das sehr stören. Ich weiß nicht, ob ich dagegen angehen würde, ich bin niemand, der ständig reklamiert. Vielleicht würde ich auch das als „Lokalkolorit“ hinnehmen und es wegatmen?
      Die Sache ist die, dass man anders reagiert, wenn der Vermieter ansonsten nett ist und sich um seine Gäste kümmert.
      LG
      Sabienes

      • Ines sagt:

        Ja, auf Sylt hatten wir so um die 15 Grad draußen … warm ist anders. Ich hatte aber auch keine Lust, mich in der Urlaubszeit mit der Reklamation herumzuärgern. Hätte es noch länger angedauert, hätte ich es getan. Das Problem ist bei dem Haus nicht unbekannt – das Wasser der Heizung verabschiedet sich ab und an ins nirgends und wird dann fließend nachgefüllt vom Klempner … bis irgendwann untere Wohnungen vermutlich wegschwimmen … da ist man ausnahmsweise froh, nur Mieter zu sein …

        • Sabienes sagt:

          @Ines: Seltsam. Dabei hatte ich auf den Inseln immer den Eindruck, dass die heizen, bis der Dachfirst glüht! Auf Amrum und auf Borkum hatten wir unsere liebe Not, die Heizung runterzuregeln. Ich kann mir aber ganz gefühlsmäßig und ohne Profiwissen vorstellen, dass wegen der Verhältnisse vor Ort Probleme mit Haustechnik, z.B. Wasserdruck bekommen kann.
          Hoffentlich hat euch der Paul wärmen können! ;-)
          LG
          Sabienes

  2. Janett sagt:

    Ja das mit den Reisemängeln ist so ne Sache – was ich früher so alles hab mit mir machen lassen habe? Für mich ist vor allem der Geruch in einem Zimmer und Hotel wichtig. Wenn es da nach Frittenfett oder alten Socken riecht dreh ich mich sofort wieder um. Ich muss mich wohlfühlen. Aber auch das hab ich schon mehrere Nächte ertragen müssen. Ich bin ja viel indiviuell unterwegs und mit den Bewertungen (nicht nur auf einem Portal) bin ich oft ganz gut gefahren.

    • Sabiene sagt:

      @Janett: Mit den Bewertungen muss man ja immer vorsichtig sein. Aber ich schiele auch immer auf das, was die anderen sagen und filtere die extrem schlechten und die extrem guten aus.
      Was ich ja total ätzend finde ist, wenn ich hundemüde in einem Hotel aufschlage, in dem das gebuchte Zimmer grauenvoll ist und mir dann eine Alternative suchen muss. Gottseidank kommt das nicht so oft vor.
      LG
      Sabienes

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