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Toni Erdmann – Der erstaunlichste Film des Jahres 2017

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Toni Erdmann – Ein Film mit Sandra Hüller und Peter Simonischek

Winfried Conradi (Peter Simonischek) ist witzig, voller skuriler Ideen und manchmal nervig. Aber hauptsächlich ist der pensionierte Musiklehrer einsam und sucht die Nähe zu seiner Tochter Ines (Sandra Hüller). Doch diese ist viel zu beschäftigt damit, denn sie kämpft als Unternehmensberaterin um ihre Karriere.
Spontan beschließt Conradi, seine Tochter in Bukarest zu besuchen. Das löst natürlich bei der vielbeschäftigten jungen Frau keine große Begeisterung aus. Umständehalber nimmt sie ihren Vater zu einer wichtigen After-Work-Party mit. Dort hat dieser nichts besseres zu tun, als allen Anwesenden zu erklären, dass er nun eine „Ersatztochter“ engagiert hätte. Ines hat ja nie Zeit für ihn.
Die Tochter findet dies (und den Umstand, dass ihr Vater ihr einen simplen Gurkenhobel mitgebracht hat) gar nicht so komisch. Schließlich fliegt der Vater wieder nach Hause.

Eine Tage später treffen Ines und ein paar Freundinnen auf einen seltsamen Herrn namens Toni Erdmann, der sich als Botschafter und Freund des Boris-Becker-Managers Ion Tiriac ausgiebt. Hinter dieser Person steckt natürlich Conradi, der nun angetan mit Perücke und falschen Zähnen immer dort auftaucht, wo es für seine Tochter am Peinlichsten ist.
Mehr und mehr blickt Conradi hinter die Fassade des Raubtierkapitalismus, der in den ehemaligen Ostblockländern mit Hilfe von westlichen Beratern um sich greift.
Letztendlich kommt es zum Eklat, als Ines in ihrer Wohnung eine Party gibt und beim Anziehen ihr Designerkleid zerreißt. Daraufhin begrüßt sie ihre Gäste splitterfasernackt. Was zuerst an einen Skandal grenzt, wird mehr und mehr von ihren Gästen geflissentlich nachgemacht. 

Hat mir Toni Erdmann gefallen? Ich weiß es nicht.

Ich weiß immer noch nicht, ob mir dieser Film gefallen hat. Aber zumindest hat er mich berührt, wenn auch nicht immer uneingeschränkt positiv.

Denn einige Szenen sind auf seltsame Art verstörend. Als am Anfang sich Conradi neben seinem sterbenden Hund legt, kann man das noch verstehen. Aber das Sexspiel mit der äußerst kaltschnäuzigen Ines und ihrem Karriere-Sklaven Tim (Trystan Pütter) fand ich mehr als abseitig. Die „Nacktparty“ hingegen hatte etwas schonungslos Grausames und troff gerade so von Verzweiflung.

Und es war sehr bemerkenswert, wie schnell Ines‘ Gäste ihr gleich taten und sich ihrer Kleidung entledigen konnten.

Darum ist Toni Erdmann der erstaunlichste Film 2017

Gleichzeitig war diese Szene für mich auch die Schlüsselszene des Films. Denn sie hat mir bewiesen, dass es sich bei der Story wirklich um ein Meisterwerk handelt.

Bei einem schlechten Drehbuchautor und einem schlechten Regisseur wäre ein unbedarfter Toni Erdmann mitten in die Business-Löwengrube gehüpft und hätte allen Anwesenden klar gemacht, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, als Geld, Macht und Karriere. Und am Ende wären dann alle geläutert von dannen gezogen.

Hingegen zeigt die Regisseurin und Autorin Maren Ade nur subtil an Hand einzelner Szenen, wie sich alle Akteure in ihrer Karrieregeilheit nackt machen. Und dabei jegliche Hemmungen und ihre Selbstachtung verlieren.
Es gibt kein wirkliches Happy End. Denn auch, wenn Vater und Tochter letztendlich scheinbar wieder zueinander finden, bleiben sie am Ende dennoch alleine.

Toni Erdmann ist ein sehr gut gemachter Film. Aber ich bin ganz unsicher, ob ich ihn mag, denn er hinterlässt in mir einen ganz schalen Geschmack.

Wenn ihr diesen Film auch gesehen habt, würde mich eure Meinung sehr interessieren.

Preise

Der Film hat etliche Preise eingeheimst. Unter anderem erhielt er für Drehbuch, Regie, Schnitt, Hauptdarsteller usw. den Europäischen Filmpreis 2016 und den Deutschen Filmpreis 2017.
Bei der Oscarverleihung 2017, den Golden Globe Awards und den British Academy Film Awards 2017 war Toni Erdmann als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Wahrscheinlich hat ihm aber die gewisse Portion Weichspüler gefehlt, denn er ging dabei leer aus.

Filmografisches:

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  • Originaltitel: Toni Erdmann
  • Produktionsland: Deutschland, Österreich
  • Originalsprache: Deutsch, Englisch
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Länge: 162 Minuten
  • Regie: Maren Ade
  • Produktion: Janine Jackowski, Maren Ade, Jonas Dornbach
  • Kamera: Patrick Orth
  • Schnitt: Heike Parplies
  • Hauptdarsteller:
    • Peter Simonischek: Winfried Conradi alias Toni Erdmann
    • Sandra Hüller: Ines Conradi
    • Michael Wittenborn: Henneberg
    • Thomas Loibl: Gerald
    • Trystan Pütter: Tim

Den Film gibt es bereits als DVD und Bluray. Alle Angebote findet ihr auf Amazon.

Alle Fotos: Toni Erdmann – Der erstaunlichste Film des Jahres 2017 ©sabienes.de
Text: Toni Erdmann – Der erstaunlichste Film des Jahres 2017 ©sabienes.de

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